Immer mehr Anleger entscheiden sich im aktuell unsicheren Marktumfeld für ein Investment in börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz: ETFs). Dabei unterschätzen sie jedoch die inhärenten Risiken der passiven Produkte, warnt Rainer Laborenz, Geschäftsführer der Azemos Vermögensmanagement GmbH in Offenburg: "Die meisten der gehandelten ETFs haben nicht tatsächlich den zugrundeliegenden Index als Bestandteil, sondern beliebige Wertpapiere und Derivate", so Laborenz. Sie garantierten also lediglich synthetisch die Rendite des Index: "Das ist eine Riesen-Mogelpackung, weil hier mit derivativen Produkten etwas suggeriert wird, was tatsächlich nicht vorhanden ist."

Letztlich könnten Anleger mit echten Aktien jeden noch so schweren Kollaps aussitzen. Bei ETFs dagegen seien sie am Ende des Tages abhängig von der Bonität des garantiegebenden Emittenten, der wiederum abhängig von den Emittenten seiner im ETF verbauten Derivate und strukturierten Finanzprodukte sei. "Lehman Brothers lässt grüßen", unkt Laborenz. Er hält zudem die Finanz- und Schuldenkrise keineswegs für überwunden. Vielmehr spitze sich die Lage insbesondere für Italiens Banken zu.

 Wette auf ein stabiles Finanzsystem birgt Risiken
"Wer in solchen Zeiten in synthetische ETFs investiert, also eine Wette auf die Stabilität des Finanzsystems eingeht, fährt definitiv hohe Risiken", sagt der Vermögensverwalter. Hinzu komme, dass die in ETFs enthaltenen Wertpapiere vom Emittenten auch beliehen werden dürfen, was die Sicherheit weiter beeinträchtige.

Ein weiterer Minuspunkt: Die meisten ETFs bildeten große Indizes ab. "Sie setzen also nicht auf Qualität oder Unterbewertung, sondern nur auf Größe", erklärt Laborenz. Auch das sei aus seiner Sicht als Value-Investor ein Problem. (fp)