Ständige Störfeuer im Weißen Haus, immer neue Details im Dieselskandal: Anleger werden derzeit auf eine harte Nervenprobe gestellt. Manchmal kann man ihre Aufgeregtheit nicht nur mit Händen greifen, sondern sogar sehen – insbesondere an der Börse. Volatilitätsindizes wie der US-amerikanische VIX und der europäische VStoxx zeigen an, mit welchen Marktschwankungen Investoren in den kommenden Monaten rechnen.

Seit einiger Zeit sind Anleger – allen Negativnachrichten zum Trotz – allerdings so entspannt wie selten. Das kann sich aber schnell ändern. Bei plötzlichen Tumulten an den Märkten neigen Volatilitätsindizes dazu, ebenso unvermittelt in die Höhe zu schnellen.

Mit strukturierten Produkten, sogenannten Exchange Trading Notes (ETNs), können Renditesucher in die Sprünge der Angst-Barometer investieren und so ihr Depot vor allzu großen Verlusten schützen – so lauten zumindest die Verheißungen der Anbieter. Denn insbesondere, wenn Börsen ins Rutschen geraten, schnellt die Volatilität nach oben, wie die nachfolgende Gegenüberstellung des Indexverlaufs beim US-Leitbarometer S&P 500 und der zugehörigen "Angstkurve" VIX eindrucksvoll zeigt. "An den Finanzmärkten zieht Unsicherheit typischerweise eher Abwärts- als Aufwärtspotenzial nach sich", bestätigt Morningstar-Analyst Ali Masarwah.

Kursverlauf von S&P 500 (obere Grafik) und VIX seit 2007

Quelle: Morningstar

Tatsächlich gilt "Volatilität" – spätestens seit Beginn der globalen Finanzkrise – als eine Anlageklasse für sich, die auf den ersten Blick auch für risikoscheue Privatanleger geeignet zu sein scheint. "Investmentgesellschaften bewerben Vola-Produkte gern damit, dass sie kaum mit anderen Asset-Klassen korrelieren", schildert Morningstar-Fachmann Masarwah. Das stimmt auch, führt in der Praxis aber nicht zu den erhofften Resultaten.

Schlechtes Timing
Konkret macht Marsawah das am Beipiel von vier besonders populären "Vola"-Papieren deutlich: am iPath S&P 500 VIX Short-Term Futures ETN und dem iPath S&P 500 VIX Mid-Term Futures ETN sowie dem iPath VSTOXX Short-Term Futures ETN und dem iPath VSTOXX Mid-Term Futures ETN, die alle 2010 an den Start gingen.

Das Ergebnis ernüchtert: "Der Zeitpunkt für die Auflage dieser Produkte war, sehr milde ausgedrückt, nicht der glücklichste", fasst Masarwah zusammen. Profitierten beide ETNs kurz nach dem Start noch von der eskalierenden Eurokrise, so zeigt die Entwicklung nach 2012 stetig abwärts: Der Mid-Term ETN hat gemäß Masarwahs Rückrechnung satte 75 Prozent verloren, beim Short-Term ETN auf den VSTOXX liegt das Minus bei gut 62 Prozent. "Das zeigt, dass man mit derartigen Investments, seien sie als Absicherungs- oder Spekulationsinstrumente gedacht, langfristig viel Geld verlieren kann", sagt Masarwah.

Daran dürfte sich selbst dann kaum etwas ändern, sollte die allgemeine Volatitlität plötzlich doch einmal wieder sprung- und dauerhaft nach oben klettern. Denn den "Angst"-Produkten haften einige konstruktionsbedingte Mängel an.

Ohne Hin und Her geht’s nicht
Der größte Haken an Vola-Produkten sind ihre hohen Kosten. "Die Produkte unterliegen den Launen von Backwardation und Contango beziehungsweise den positiven und negativen Roll-Renditen", erklärt Masarwah. Außerdem erfordert eine Vola-Strategie eine häufige Neuausrichtung des Portfolios – und auch die kostet Geld respektive mitunter wertvolle Renditepunkte.

Für Langfrist-Anleger sind Vola-Produkte kompletter Unsinn, sagt der Experte. Weil die Märkte auf lange Sicht steigen, unterliegen die Produkte einer stetigen Kurserosion. "Streng genommen untergraben Anleger, die solche Instrumente längerfristig halten, ihre eigene Anlagestrategie", sagt Masarwah. Oder, wie es Starcapital-Gründer Peter E. Huber unlängst ausdrückte: Ohne Vola keine Cola(fp/ps)