Warren Buffett ist für seine Prinizipienfestigkeit bekannt und beliebt. "Maßhalten" ist eine der Maximen der lebenden Investorenlegende. Oder, um es mit seinen Worten auszudrücken: "Konzentrieren Sie Ihre Investments! Wenn Sie über einen Harem mit vierzig Frauen verfügen, lernen Sie keine richtig kennen.”

Die Aktienfondsboutique Comgest folgt genau dieser Denkweise. Das Pariser Fondshaus ist davon überzeugt, dass überdimensionierte Portfolios gute Stock-Picking-Ideen lediglich verwässern. Zudem stelle sich laut Comgest die berechtigte Frage, ob man bei Fonds mit über 100 Einzeltiteln überhaupt noch von aktivem Fondsmanagement sprechen kann, da man sich den Indizes sehr nähert. Wolfgang Fickus, Mitglied des Investment Komitee bei Comgest, erklärt anhand plausibler Argumente, aus welchen Gründen sich konzentrierte Portfolios aus Qualitätswachstumsunternehmen für Kapitalanleger langfristig ohnen.

Nur nicht aus der Reihe tanzen
Die Zahl der Fondsmanager, die regelrecht "am Index kleben“, sei laut Fickus hoch. "Es scheint, als ob die Vermeidung des Tracking Error, also das Abweichen von einem Vergleichsindex, für viele Fondsmanager im Vordergrund steh", schildert er. Comgest hingegen setzt seit Gründung vor mehr als 30 Jahren bewusst auf ein aktives Management und sehr konzentrierte Portfolios.

Wie Fickus erklärt, hätten einige wissenschaftliche Studien aufgezeigt, dass sich konzentrierte Portfolios langfristig besser als jene entwickeln, die sich sehr stark an ihrer Benchmark ausrichten. Sich relativ nah an den Aktienindizes zu bewegen – das überlässt Comgest der Konkurrenz. Qualität ist laut Fickus wichtiger als Indexzugehörigkeit, die sich hauptsächlich an der Marktkapitalisierung von Unternehmen orientiert.

Zinseszinseffekt wirkt nur langfristig
"Wenn Aktien für unsere Portfolios gekauft werden, ist es unser Ziel, diese lange zu halten. Nur dann kann man vom langanhaltenden zweistelligen Gewinnwachstum profitieren, das wir von unseren Portfoliounternehmen erwarten. Der Zinseszinseffekt spielt uns dabei in der langen Sicht ebenso in die Hände.“, erklärt Fickus. Aktiv investierten bedeutet laut dem Comgest-Mann, jedes Portfoliounternehmen sehr genau zu kennen, um Chancen und Risiken genau einschätzen zu können.

Man könne sich daher die Frage stellen, ob bei Portfolios mit mehr als 100 Einzeltiteln in diesem Sinne überhaupt noch von aktivem Portfolio-Management die Rede sein kann. Comgest zieht den Tracking Error dementsprechend nicht als Risikoindikator heran.

Ab 15 Werten ist ein Portfolio gut diversifiert
"Unserer Erfahrung nach haben Portfolio-Manager mit konzentrierten Portfolios bessere Chancen, die Benchmark zu schlagen. Außerdem zeigen mehrere wissenschaftliche Studien, dass Portfolios schon ab einer Anzahl von 15 Einzeltiteln eine ausreichende Risikostreuung aufweisen“, so Fickus. Fehlende Diversifikation sei also kein Grund, sich von konzentrierten Portfolios abzuwenden. Die Portfolios, die Comgest für seine Kunden managt, bestehen für gewöhnlich aus 25 bis 45 Einzeltiteln.

Die Kunst beim Managen konzentrierter Portfolios bestehe darin, die im Portfolio vertretenen Unternehmen wie die eigene Westentasche zu kennen. So ist man vor bösen Überraschungen wie etwa Gewinnwarnungen am besten geschützt.

Detailwissen ist Trumpf
Das Risiko von Gewinnwarnungen kann bei konzentrierten Portfolios leichter vermindert werden, weil man die Einzelunternehmen sehr gut kennt. "Wir nehmen uns die notwendige Zeit, um dieses Detailwissen zu entwickeln, bevor wir neue Ideen in unser Investmentuniversum aufnehmen. Es ist der erste Schritt, bevor die Aufnahme in unsere Portfolios überhaupt erst möglich ist“, so Fickus. Modernisierungsprozesse oder den Expansionskurs eines Unternehmens könne man leichter an Zahlen festmachen als den Verlauf der Weltwirtschaft. Deshalb ist der Qualitätswachstumsansatz auch zu 100 Prozent "bottom-up"-getrieben.

Fickus empfiehlt abschließend Anlegern, über Benchmarks und kurzzeitige Bewertungen hinauszublicken und sich daran zu erinnern, dass lange Halteperioden auf jeden Fall besser sind, wenn man Kapitalzuwachs anstrebt. Auch hier lässt Altmeister Buffett grüßen. (aa/ps)