"Allzu lange hat schlechte Unternehmensführung Japan im weltweiten Wettbewerb gebremst", erklärt Dan Carter, Fondsmanager bei der Investmentgesellschaft Jupiter Asset Management. "Doch da sich allmählich die Aktionäre zu Wort melden und Unternehmen beginnen, ihnen zuzuhören, könnte sich das ändern."

Die Grundlage des Wandels bilden die Strukturreformen von Premierminister Shinzo Abe. Neben dem Stewardship-Code, der Verbindungen zwischen institutionellen Anlegern und der Unternehmensleitung fördern soll, und dem Corporate-Governance-Code, der den externen Einfluss auf die Vorstandsetagen vergrößern will, ist vor allem der sogenannte "Dritte Pfeil" der Reformen entscheidend: die Reform der Unternehmensführung.

Strukturreformen sind dringend nötig. Im Vergleich zu anderen großen Industrieländern haben Japans börsennotierte Unternehmen weniger unabhängige Verwaltungsratsmitglieder. "Selbst dort, wo es diese sogenannten externen Direktoren gab, waren sie in vielen Fällen nicht unabhängig und weitestgehend folgsam. Sie waren nicht in der Lage oder nicht gewillt, das heimische Management zur Rechenschaft zu ziehen", sagt Carter, der für den Jupiter Japan Select verantwortlich ist. Für Minderheitsaktionäre sei das ein großes Problem, da das Management so die Möglichkeit habe, ihre Interessen weitgehend unberücksichtigt zu lassen.

Wenig Anreize für Manager
Ein weiterer Stolperstein ist die Vergütung des Managements: Japanische Führungskräfte werden im Vergleich zu jenen aus den USA oder Großbritannien schlechter bezahlt, und ihre Vergütung hängt auch nur in einem geringen Maße von ihrer Leistung ab. "Hierdurch entstand eine Managementklasse, die wenig Anreize hatte, es besser zu machen", sagt Carter. Das bedeute auch, dass japanische Unternehmen in der Regel nicht in der Lage oder nicht willens waren, die besten ausländischen Manager für Top-Positionen zu gewinnen.

Dazu kommen untätige Aneteilseigner, die schlechtes Verhalten des Managements oder Erfolglosigkeit lange akzeptiert haben. "Einer der Hauptgründe hierfür ist, dass viele Aktionäre gar keine Anleger sind, sondern Aktien aus rein kaufmännischen Gründen halten", erklärt Carter. Als Ergebnis waren japanische Managementteams zu zurückhaltend beim Auszahlen eines fairen Anteils der von den Unternehmen gemachten Gewinne – sprich: Dividenden – und zu sehr darauf bedacht, Cash zu horten. Ein in dieser Hinsicht zurückhaltendes Management traf also auf allgemein niedrige Anreize, Gewinne zu maximieren. Diese unheilvolle Kombination führte dazu, dass japanische Unternehmen im internationalen Vergleich unterdurchschnittliche Renditen einfuhren.

Rentabilität verbessert sich
Die ersten Erfolge zeigen sich bereits: Die Eigenkapitalrendite steigt an – wenn auch von einem niedrigen Niveau. "Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass sich die Rentabilität verbessert hat", erklärt Carter. "Die aufgeblähten Bilanzen bleiben aber weiterhin eine Belastung." Erfreulicher sei dagegen die avisierte Ausschüttungsmenge an Aktionäre, sowohl in Form von Dividenden als auch von Aktienrückkäufen. "Für die Unternehmenswelt Japans hat die Arbeit gerade erst begonnen", ist sich Carter sicher. Aktionäre ernteten zwar die ersten Früchte des Wandels, aber der Markt habe noch einen langen Weg vor sich. (fp)