Der Schlüssel zum Börsenerfolg liegt nach Ansicht des Vorstand des Vermögensverwalters Starcapital darin, dass man nicht prognose-, sondern bewertungsorientiert anlegt, Aktien also dann kauft, wenn sie niedrig bewertet sind. In der aktuellen Ausgabe seines Kommentars, den wir nachfolgend veröffentlichen, bricht Peter E. Huber einmal mehr eine Lanze für aktives Fondsmanagement. (ps)


In einem ausführlichen Interview mit dem Fernsehsender CNBC hat der US-Starinvestor Warren Buffett vor einigen Tagen einige interessante Statements abgeliefert. Buffett hat mit seinen Aktienengagements Milliardenbeträge verdient. Auf die Frage, wie er die aktuelle Marktlage beurteile, sagte er, er wisse nicht, wo die Märkte in einem Jahr stehen. Er kenne auch niemanden, der die Märkte auf kurze und mittlere Sicht zuverlässig timen könne. Aber wenn er entscheiden müsse, wo er sein Geld über die nächsten zehn Jahre investieren solle – in T-Bonds mit 2,5 Prozent Rendite oder in Aktien –, sehe er ganz klar bei Aktien die besseren Chancen. Auf die Frage, ob US-Aktien aktuell denn nicht deutlich überbewertet seien, meinte er, sie seien immer noch preiswert, wenn man die historisch niedrigen Zinsen berücksichtige.

Scharfe Kritik übte Buffett allerdings an der Fondsbranche wegen hoher Gebühren und schlechter Leistungen. Seiner Meinung nach sind von den Anlegern im letzten Jahrzehnt über 100 Milliarden US-Dollar auf der Suche nach überlegener Anlageberatung verschwendet worden, und er empfiehlt die Investition in preisgünstige Indexfonds (ETFs). Diesem Ratschlag wird zunehmend gefolgt. So wurden letztes Jahr 342 Milliarden US-Dollar aus aktiv gemanagten Investmentfonds und 106 Milliarden US-Dollar aus Hedgefonds abgezogen, während passive Fonds Mittelzuflüsse von 506 Milliarden US-Dollar verzeichneten.

Wir sind allerdings nach wie vor der Ansicht, dass man die Märkte mit einer strikt antizyklischen Anlagestrategie schlagen kann, was wir in den letzten 15 Jahren mit unseren Aktien- und Rentenfonds auch bewiesen haben. Die Euphorie, die derzeit bezüglich der Anlage in ETFs herrscht, sehen wir durchaus kritisch.

So hat das amerikanische Analysehaus "Dalbar“ aktuell untersucht, wie US-Anleger abgeschnitten haben, die in aktiv gemanagten Fonds und in passiven ETFs investiert waren. Dies lässt sich anhand der Mittelzu- und -abflüsse genau berechnen. In den letzten 15 Jahren haben Anleger von aktiv gemanagten Fonds 4,04 Prozent pro Jahr verdient. Dies ist deutlich schlechter, als die Fonds selbst und der S&P-500-Index (+ 5 Prozent p.a.) abgeschnitten haben. Der Hammer aber ist: ETF-Anleger haben im Schnitt nur 2,85 % jährlich verdient.

Das Ergebnis zeigt, dass es vielen Investoren offensichtlich nicht gelingt, die eigentlich guten Ergebnisse der ETFs für sich zu nutzen, weil sie zu ungünstigen Zeitpunkten ein- und aussteigen. Sie agieren prozyklisch, was ihnen durch die leichte Handelbarkeit der ETFs leicht gemacht wird. Passive Instrumente sind also nicht per se automatisch der Schlüssel zum Anlageerfolg. Auch ein ETF-Portfolio braucht eine professionelle Betreuung.

Die Financial Times veröffentlichte am 9. Februar eine Studie, in der untersucht wurde, wie die Aktien im FTSE-100-Index 2016 abgeschnitten haben, die die meisten Kauf- und Verkaufsempfehlungen der Analysten am Jahresanfang aufwiesen. Das Ergebnis: Die zehn Aktien mit den meisten Kaufempfehlungen brachten im Schnitt 3,6 Prozent Wertzuwachs, der Index stieg um 14,4 Prozent, und diejenigen zehn Aktien, die am schlechtesten bewertet wurden, kamen auf ein Plus von 31 Prozent.

Von dem US-Ökononem John Kenneth Galbraith stammt der schöne Satz: "Es gibt zwei Arten von Prognostikern: die, die nichts wissen, und die, die nicht wissen, dass sie nichts wissen.“ Trotzdem saugt der Großteil der Anleger immer noch gierig jede Börsenprognose in sich auf und glaubt auch noch an diese Börsen-Wahrsagerei. Ein Irrtum, der sich in der Regel mehr als negativ auf das Anlageergebnis auswirkt! Der Schlüssel zum Börsenerfolg liegt nach unserer Überzeugung längerfristig darin, dass man nicht prognoseorientiert, sondern bewertungsorientiert anlegt, Aktien also dann kauft, wenn sie niedrig bewertet sind.