Die Hälfte der deutschen Privatanleger (53%) würde gerne mehr Geld am Kapitalmarkt investieren. Allerdings hat jeder Fünfte Angst vor unerwartet hohen Verlusten. Anderen fehlt das notwendige Know-how (16%) oder die Zeit, sich selbst um ihr Portfolio zu kümmern (9%). Das ergab eine repräsentative Umfrage von Yougov, die der Online-Vermögensverwalter Scalable Capital in Auftrag gegeben hat. Bemerkenswert ist, dass acht Prozent der Befragten angeben, keine für sie passenden Produkte und Dienstleistungen zu finden.

"Wir haben kein grundlegendes Problem mit der Kapitalmarktkultur in Deutschland. Wir haben vielmehr ein Problem mit den bestehenden Angeboten. Sie gehen in der Regel an den Bedürfnissen der Anleger vorbei", kommentiert Erik Podzuweit, Mitgründer und Co-Geschäftsführer von Scalable die Ergebnisse der Umfrage.

Er fordert daher, dass die Finanzbranche endlich umdenken muss. "Wir müssen Verlustrisiken transparent machen und diese Risiken in den Portfolios möglichst konstant halten. Nur so können wir mehr Anleger für den Kapitalmarkt gewinnen und die Defizite im langfristigen Vermögensaufbau in Deutschland beheben."

Zwei Billionen Euro liegen brach
Und diese sind da, wie Scalable in einer Pressemitteilung ausführt. In Deutschland liegen laut Bundesbankdaten rund zwei Billionen Euro an Vermögen faktisch unverzinst auf Tagesgeld- und Sparkonten herum und werden dort inflationsbedingt jeden Tag kleiner. Vielen Anlegern, die bereits am Kapitalmarkt investiert sind, sei jedoch durchaus bewusst, dass der Kapitalmarkt langfristig die beste Alternative für den Vermögensaufbau ist. So geht nur jeder Fünfte davon aus, genug Geld am Kapitalmarkt angelegt zu haben (22%). Bei Frauen liegt dieser Anteil bei nur 15 Prozent.
 
Anleger können Verlustrisiken nicht einschätzen
Ein wesentlicher Grund für die Zurückhaltung deutscher Anleger liegt auch in der intransparenten Kommunikation der etablierten Anbieter zum Thema Risiko. So hat fast die Hälfte der Befragten (44%) ein relativ schlechtes oder sogar sehr schlechtes Verständnis des Verlustrisikos in ihrem Portfolio. Sie können also nicht einschätzen, wie viel Geld sie in einem schlechten Börsenjahr verlieren könnten. Bei Frauen liegt dieser Anteil sogar bei 57 Prozent; gerade einmal 13 Prozent aller Frauen geben an, ein sehr gutes Verständnis der Verlustrisiken zu haben.
 
Brexit-Votum verunsichert junge Anleger
Seit dem Brexit-Votum am 23. Juni achten deutsche Anleger noch stärker auf mögliche Verlustrisiken in ihrem Portfolio. Für über ein Drittel (36 %) der Befragten ist es seither noch wichtiger, die Risiken in ihrem Portfolio zu verstehen. Jeder Fünfte wünscht sich jetzt verstärkt Anlagemöglichkeiten, die konkrete Verlustrisiken angeben (22%). Bei Anlegern bis zu einem Alter von 34 Jahren sind es fast ein Drittel (31%). (jb)