Mit Gerüchten ist es wie mit einem Eintopf, insbesondere am Kapitalmarkt: Aufgewärmt schmeckt es nochmal so gut. Gedankenspiele, wonach die Deutsche Bank auf ihrer Suche nach neuen Kapitalquellen einen Börsengang ihrer Vermögensverwaltungssparte Deutsche Asset Management prüft, sind zwar nicht taufrisch, scheinen aber auf der Agenda von Vorstandschef John Cryan zurzeit wieder nach oben zu rücken, berichten mehrere Medien sinngleich.

Analysten taxieren den Marktwert bei einem IPO der Deutschen AM laut Reuters-Angaben auf bis zu acht Milliarden Euro. Schon durch den Verkauf eines Minderheitsanteils von 25 Prozent der Anteile ließen sich rechnerisch also bis zu zwei Milliarden Euro erlösen – Geld, das Cryan nach den gescheiterten Verkaufsbemühungen bei der Postbank und den kostspieligen Strafen vor US-Gerichten wohl willkommener denn je wäre.

Einen gewissen Extra-Charme hätte die Idee, bloß ein MInderheitspaket handelbar zu machen: Cryan könnte dadurch zugleich Wort halten. Denn noch im September 2016 hatte er unmissverständlich und per Mitarbeiter-Rundschreiben klargemacht, dass die Fondssparte ein essenzieller Bestandteil des Deutsche-Bank-Geschäftsmodells bleibt.

Überlegungen werden konkreter
Noch befänden sich die Überlegungen in einem sehr frühen Stadium, zitiert Reuters einen anonymen Insider. Die Bank selbst äußerte sich nicht zu den Gerüchten. Ein anderer Informant berichtet laut "Handelsblatt", ein Börsengang der Deutschen Asset Management gelte intern als gesetzt.  Für die Belegschaft der Fondstochter wäre ein Börsengang eine gute Nachricht, die die "Leute im Haus halten würde“, meint ein Mitarbeiter gegenüber der Düsseldorfer Wirtschaftszeitung. Nach diversen personellen Umbesetzungen bei dem Asset-Management-Ableger und der jüngsten Ankündigung von Bankchef Cryan, dass konzernweit ein Großteil der Boni gestrichen oder eingekürzt werden, sei die Motivation intern noch einmal gesunken. 

Furcht vor fatalem Signal an Investoren
Zunächst aber müssten auch einflussreiche Deutsche-Bank-Eigner mit ins Boot geholt und von den Börsenplänen überzeugt werden. Widerstand kündigt sich an, denn im Kreis der Großaktionäre gibt es laut Reuters auch kritische Stimmen.

"Perspektivisch verzichtet das Institut damit auf Erträge. Deshalb haben wir Zweifel, ob ein solcher Schritt langfristig gut für die Bank wäre", hieß es von einem Investor. Das erscheint nachvollziehbar: In den ersten neun Monaten 2016 lieferte die Deutsche AM immerhin 549 Millionen Euro  an Gewinn vor Steuern in der Frankfurter Zentrale ab. Ein anderer hatte im Herbst gewarnt, als erste Gerüchte über das Asset Management die Runde machten: "Wenn die Bank die Vermögensverwaltung ins Schaufenster stellt, dann weiß man: Es brennt die Hütte." (ps)