Sie sehen gerne Rallye-Sport? Sie sind auch im Investmentbereich tätig? Dann könnten Sie die Live-Übertragungen von der Rallye Paris-Dakar, die wenige Tage vor dem diesjährigen FONDS professionell KONGRESS endete, durchaus als Fortbildungsprogramm verstehen. Denn der Rallye-Sport weist eine Reihe an Parallelen zum Asset Management auf – insbesondere zum Managen von Rentenanlagen.

Zumindest haben Jutta Kleinschmidt, die bisher als einzige Frau die Paris-Dakar gewonnen hat, und Klaus Dahmann, Country Head Germany & Austria von Legg Mason, auf einer launigen Podiumsdiskussion auf dem diesjährigen FONDS professionell KONGRESS so argumentiert. Die größte Gemeinsamkeit ist demnach, dass sich beide auf ähnlichem Terrain bewegen – Sportler wie Kleinschmidt in einer Umgebung ohne Wasser, Rentenmanager wie Dahmann in einer ohne Zinsen.

"Staatspapiere sind wie eine Wüste", so Dahmann. Zudem ist für beide Disziplinen ein gerütteltes Maß an Flexibilität erfolgsentscheidend. Der Rallye-Fahrer muss eine Route B haben und "sich immer wieder auf die neuen Gegebenheiten einstellen", berichtet die Rennsport-Ikone – stilecht im Overall. Das liege auch an der Natur des Sports: "Man bekommt vor dem Start einer Etappe nur die grobe Strecke mitgeteilt", erzählte Kleinschmidt weiter. Den genauen Weg muss der Fahrer respektive Fahrerin dann mit dem Co-Piloten auswählen, wobei es wegen des unwegsamen Geländes immer wieder zu Änderungen kommt. Auch Fondsmanager müssen einen Plan B haben und etwa auf alternative Strategien ausweichen können: "Etwa weg von einer Makro- hin zu einer Risikostrategie", so Dahmann.

Ältere Fahrer mir Erfahrungsvorsprung
Das Risikomanagement ist hierbei ebenfalls von eminenter Bedeutung: Sowohl Rallye-Sportler als auch Portfoliomanager müssen immer Vorsicht walten lassen, damit sie nicht vom Weg abkommen und in einer Düne respektive Renditefalle landen. "Es lauern überall Gefahren", so Kleinschmidts Erkenntnis.  

Eine Rallye kann ein Fahrer aber nur mit einer Mannschaft gewinnen, das ihn in der Vorbereitung auf das gesamte Rennen und die einzelnen Etappen unterstützt: "Wir haben ein rund 200 Mann starkes Team", erzählt Kleinschmidt. Dies ist etwa für die gesamte Logistik, für die Ersatzteilbeschaffung und natürlich auch die Pressearbeit nötig. Auch Portfoliomanager kommen als Einzelkämpfer nicht ins Ziel – oder wenn nur auf einen hinteren Rang: Sie benötigen Analysten und Händler, um Erfolg zu haben.

Die Motorsportlerin machte zum Ende hin noch auf einen weiteren, sehr wichtigen Punkt aufmerksam: die Erfahrung: "Man muss wissen, wie man eine Düne anfährt oder umfährt. Daher finden sich im Rallye-Sport auch viele ältere Fahrer", sagte die Fahrerin. Erfahrung ist natürlich auch im Fondsmanagement unersetzlich. (jb)