Der EU-Austritt Großbritanniens bringt für die Asset-Management-Industrie zwar Herausforderungen mit sich, die Zahl der echten Probleme hält sich jedoch in Grenzen. Davon zeigte sich Laurent Ramsey, Chef von Pictet Asset Management und Teilhaber der Genfer Privatbank, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE in London überzeugt.

Auf den ersten Blick droht der Brexit Pictet AM besonders zu treffen. Denn die meisten Portfoliomanager des Fondsmanagers sitzen in Genf und London – nach dem Austritt Großbritanniens also plötzlich außerhalb der EU. "Mit Blick auf den Brexit gibt es verschiedene Aspekte", betont Ramsey. "Ein Fonds, der von einer britischen Verwaltungsgesellschaft gemanagt wird, darf künftig wahrscheinlich nicht mehr als UCITS in der EU vertrieben werden. Unsere UCITS-Palette wird allerdings schon seit Jahrzehnten in Luxemburg verwaltet, darum stellt das kein Problem dar."

Bekommen Fondsmanager weiterhin ein Visum für Großbritannien?
Eine weitere Frage betreffe die Kollegen in London: "Wird es weiterhin möglich sein, die besten Köpfe hierher zu holen, etwa mit Blick auf das nötige Visum? Ich denke schon, denn Großbritannien muss ein großes Interesse daran haben, hochqualifizierte Ausländer hier arbeiten zu lassen", so Ramsey.

Schwieriger werde sich der grenzüberschreitende Handel gestalten. "Es wird nicht mehr so einfach sein, Finanzdienstleistungen aus London heraus europaweit zu vertreiben", sagt der Pictet-AM-Chef. "Im Vertrieb arbeiten wir allerdings mit Büros und Mitarbeitern vor Ort – unter anderem in Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien und den Niederlanden. Also können wir auch diesen Punkt abhaken."

"UCITS ist wunderbarer Export-Erfolg"
Wirklich betroffen sei sein Unternehmen nur von zwei Themen, berichtet Ramsey. "Unsere lokalen Vertriebsgesellschaften hängen organisatorisch derzeit unter unserer Londoner Einheit und arbeiten mit deren Mifid-Lizenz. Künftig werden diese Gesellschaften wahrscheinlich unter der Pictet-Asset-Management-Einheit in Luxemburg angesiedelt sein." Das sei zwar mit Aufwand und Kosten verbunden, aber machbar.

"Daher bleibt ein einziges wirkliches Risiko: Würde die EU beschließen, dass es künftig nicht mehr möglich ist, unter dem UCITS-Regelwerk Asset-Management-Dienstleistungen von außerhalb der EU einzukaufen, hätte die Industrie insgesamt ein echtes Problem", sagt Ramsey. Doch die Wahrscheinlichkeit dafür sei sehr gering. "UCITS ist ein wunderbarer Export-Erfolg, entsprechende Fonds kommen unter anderem in Asien und der Schweiz sehr gut an. Diesen Erfolg wird die EU nicht gefährden wollen." (bm)


Ein ausführliches, fünfseitiges Interview mit Laurent Ramsey erscheint in Heftausgabe 4/2017 von FONDS professionell. Das Magazin wird den Abonnenten Ende November zugestellt.