An den Kapitalmärkten herrscht derzeit auf den ersten Blick eitel Sonnenschein. Etliche Aktienindizes haben zuletzt neue Rekordstände erreicht, bei ungewöhnlich niedriger Volatilität. Am Horizont braut sich allerdings ein Sturm zusammen, warnt James Clunie, leitender Kapitalmarktstratege bei Jupiter Asset Management. So verhalten sich unterschiedliche Vermögenswerte derzeit auf eine Weise zueinander, die historisch gesehen ungewöhnlich ist. Sogenannte Turbulence-Indizes notieren auf extrem hohen Niveaus. Anleger sollten deshalb überlegen, Risiken in ihren Portfolios zu reduzieren, rät Clunie.

Es gibt noch weitere Hinweise darauf, dass den Märkten Unheil droht. Der Jupiter-Experte nennt exemplarisch die Leidenschaft von Spekulanten für die Kryptowährung Bitcoin sowie die jüngsten Exzesse am Kunstmarkt – beides Anzeichen für eine gewisse Gier bei Investoren. Auf der anderen Seite herrscht mittlerweile Anlagenotstand, etwa bei Pensionsfonds, die kaum noch sichere, rentable Vermögenswerte finden. "In meinen Augen ist es die Not, die das Marktverhalten inzwischen über weite Strecken bestimmt", sagt Clunie.

Handlungszwang ist kein solides Anlagefundament
Anders als die Gier, die in der Regel mit einer Entscheidung für oder gegen ein Investment verbunden ist, mündet die Not immer in einer Transaktion. "Für mich liegt darin die eigentliche Ursache für die derzeit anfällige Marktlage", sagt der Kapitalmarktexperte. "Nun, da sich die Fed und die Notenbanken in Großbritannien und Europa nach Jahren der quantitativen Lockerung und der Niedrigzinsen langsam von ihren Stützungsmaßnahmen zurückziehen, scheint es nur eine Frage der Zeit, bis Schwächen offen hervortreten." (fp)