Mit der Beratung in Banken ist es nicht mehr weit her. Was Verbraucher immer schon ahnten, bestätigt nun ein "Insider". Es fehlten Köpfe mit Charakter, Anlageempfehlungen laufen nicht so objektiv und professionell ab wie es sein sollte, Ansprechpartner wechseln stündig und sind schlecht erreichbar: In scharfem Ton kritisiert der schweizerische Vermögensverwalter Patrick Cettier das Geschäftsgebaren der Banken.

Diese hätten in den vergangenen Jahren auf "so illustre Geschäftsbereiche wie den Eigenhandel, das Investment Banking oder auch die Vermögensverwaltung" gesetzt, statt die eigentlich "sinnvollen Funktionen" auszuführen, nämlich Unternehmen Kapital für Investitionen bereitzustellen, schreibt der Geschäftsführende Partner der Prio Partners GmbH in Zürich: "Welcher Unternehmer bekommt schon Risikokapital von einer Bank, wenn er nicht gleichwertige Sicherheiten vorweisen kann?", schimpft Cettier.

Dagegen blühten Geschäftsfelder, in denen Interessenskonflikte quasi naturgegeben seien: "Berühmt-berüchtigt ist das Research der hauseigenen Analysten, dass ja möglichst unabhängig sein sollte. Komisch nur, dass 40 Prozent aller Empfehlungen Kaufempfehlungen sind und nur 20 Prozent Verkaufsempfehlungen – bei den restlichen 40 Prozent enthält man sich mit einer Halten-Empfehlung einer klaren Meinung."

Berater können nichts mehr entscheiden 
Für Crettier ist klar: Banken vernachlässigen ihre für die Marktwirtschaft essenziellen volkswirtschaftlichen Funktionen und setzen etwa mit der Vermögensverwaltung auf ein Feld, bei dem doch nur zum Vorschein komme, "dass man Kunden sehr gerne etwas verkaufen möchte". Das Banking alter Schule seit tot, schimpft Crettier: "Die heutigen Kundenberater dürfen meist qua interner Vorgaben keinerlei Portfolioentscheide vornehmen noch Anlagen selbst tätigen." Die meisten von ihnen seien zu gut bezahlten Statisten verkommen.

Mit dieser Einschäzung ist Cettier nicht alleine. Dass die Anlageberatung vieler Banken längst zum reinen Verkaufsgespräch verkommen ist und Vertriebs- vor Kundeninteressen gehen, sieht Unternehmensberater Andreas Schaich von Z-Punkt ähnlich: "Das Vertrauensverhältnis zum Berater hat in den letzten Jahren gelitten. Solange er nicht selbst Entscheider ist, kann ich als Kunde auf ihn verzichten. Er ist für mich wertlos. Wenn man ihm Kompetenzen zurückgibt und auch die nötigen technischen Hilfsmittel an die Seite stellt, ist er wieder ein echter Partner", äußerte Schaich im Sommer 2017 im Gespräch mit FONDS professionell. (fp)