Die Liste der Preisträger der Ludwig-Erhard-Stiftung liest sich wie ein "Who's who" der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte. Für ihre Verdienste um die Soziale Marktwirtschaft zeichnete die Stiftung bereits Unternehmer wie den Computerpionier Heinz Nixdorf, "Schraubenkönig" Reinhold Würth oder Politiker wie den FDP-Granden Otto Graf Lamsdorff, aber auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder aus. Hier hätte sich der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz einreihen können. Doch der heutige Deutschland-Aufseher des Fondsriesen Blackrock lehnte die Ehrung ab, berichtet das "Handelsblatt".

Eine offizielle Begründung von Merz selbst liegt nicht vor. Doch Merz habe der Stiftung mitgeteilt, dass er sich grundsätzlich schwer mit Ehrungen tue, zitiert die Zeitung aus einer internen E-Mail. In diesem Fall muss sein Unbehagen besonders groß gewesen sein, da er nicht mit dem Vorsitzenden der Stiftung auf einer Bühne stehen wolle, heißt es weiter.

Nach Rechtsaußen abgedriftet
Die nach dem geistigen Vater des deutschen Wirtschaftswunders Ludwig Erhard benannte Stiftung leitet seit 2014 Roland Tichy. Der ehemalige Chefredakteur des Magazins "Wirtschaftswoche" geriet zunehmend in die Kritik. Der Vorwurf: Mit seinem Meinungsportal "Tichys Einblicke" befeuere er den Rechtspopulismus und vertrete Positionen, die mit denen der AfD deckungsgleich seien.

Der Stiftung falle es wegen Tichys Umtrieben immer schwerer, Laudatoren für die Preisverleihung zu gewinnen, heißt es in dem Artikel. Die Absage eines Preisträgers sei nun aber ein beispielloses Ereignis.

Erhard-Stiftung als Reputationsmaschine
Daraufhin haben die renommierten Journalisten Rainer Hank, Ulric Papendick, Nikolaus Piper und Ursula Weidenfeld ihren Austritt aus der Jury verkündet, meldet der Mediendienst "turi2". Ein weiteres Mitglied soll ihnen am Wochenende gefolgt sein. Die ausgeschiedenen Jurymitglieder werfen Tichy vor, die Stiftungsarbeit mit seinem Meinungsportal zu vermengen. Sie fürchten, dass Tichy die Stiftung als "Reputationsmaschine" für sein Portal missbraucht.

Tichy wies diese Vorwürfe dem "Handelsblatt" gegenüber zurück. Merz habe mitgeteilt, dass er generell keinerlei Preise annehme. Auch seien ihm keine Absagen von Laudatoren wegen seines Portals bekannt. So seien bei vergangenen Veranstaltungen der Stiftung etwa Wolfgang Schäuble, Christian Lindner, Karsten Linnemann, Lars Feld sowie Peter Altmaier als Redner aufgetreten.

Manche Stiftungsmitglieder halten der Zeitung zufolge Tichy die Treue. So habe es gegen die Kür von Merz wegen seiner Beschäftigung beim Asset-Management-Giganten Blackrock Widerstand gegeben. Die ausgeschiedenen Jurymitglieder verweisen jedoch darauf, dass am Ende die Würdigungen der Hauptpreisträger von Jurymitgliedern selbst vorgetragen werden mussten. (ert)