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21.02. | 2012

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Flucht vor der Eurokrise – hohe Zuflüsse in skandinavische Bondfonds

Dan Sauer

Dan Sauer

Die US-amerikanische Ratingagentur Moody's hat vor kurzem erneut mit Nachdruck auf die nach wie vor schwelenden Schuldenprobleme Europas aufmerksam gemacht und einem allzu großen Optimismus der Anleger einen Dämpfer versetzt, indem sie die Kreditwürdigkeit von sechs europäischen Staaten gesenkt hat. Als eine Möglichkeit für Investoren, sich gegen Euro- und Europakrise abzusichern und ihr Geld möglichst in Sicherheit zu bringen, ist die Anlage in stabilen Fremdwährungen. Insbesondere die Währungen der drei skandinavischen Länder Norwegen, Schweden und Dänemark, die sogenannten "Scandies", gelten aufgrund ihrer vergleichsweise gesunden Staatshaushalte schon seit einiger Zeit als "Fluchtwährungen".

Die dänische Zentralbank konnte zum Jahreswechsel erstmals in ihrer Geschichte staatliche Geldmarktpapiere im Wert von knapp 310 Millionen Euro mit einer negativen Rendite platzieren. Das bedeutet faktisch nichts anderes, als dass Investoren bereit sind, eine Prämie dafür zu zahlen, dass sie ihr Geld vermeintlich sicher anlegen dürfen. Investmentgesellschaften verzeichneten dementsprechend im vergangenen Jahr aufgrund der Angst von Anlegern vor einem Zusammenbruch der Eurozone beträchtliche Mittelzuflüsse bei skandinavischen Renten- und Geldmarktfonds (siehe angehängte Tabelle).

So gehörte beispielsweise der "Nordea Norwegian Kroner Reserve" in der zweiten Hälfte 2011 zu den zwanzig meist verkauften Produkten, wie eine von FONDS professionell durchgeführte Umfrage unter Maklerpools ergab (der ausführliche Bericht wird im Ende März erscheinenden Heft 1/2012 zu lesen sein). Weil sich die wirtschaftliche Lage im Norden Europas zum Jahreswechsel nicht grundlegend geändert hat, sind die Fondsgesellschaften zuversichtlich, auch in 2012 reichlich Käufer für ihre Devisenfonds zu finden.

2011: Ein gutes Jahr für skandinavische Devisenfonds
In konkreten Zahlen registrierte der nordische Asset Manager "Nordea" für seinen "Norwegian Bond Fund" und den "Norwegian Kroner Reserve" einen weltweiten Nettomittelzufluss von insgesamt mehr als 500 Millionen Euro. Auch die Nordea-Fonds, die in schwedische und dänische Papiere investieren, erreichten hohe Mittelzuflüsse. Der schwedische Mitbewerber SEB Asset Management hatte ebenfalls großen Erfolg mit seinem "SEB Danish Mortgage Bond Fund", der in dänische Hypothekenpfandbriefe investiert. "Das Fondsvolumen hat sich in der Publikumsversion um 40 Millionen Euro auf knapp 70 Millionen Euro erhöht. Speziell für institutionelle Anleger aufgelegte Varianten erzielten sogar Zuflüsse von rund einer halben Milliarde Euro", sagt Stefan Klomfass, Leiter institutionelles Wertpapiergeschäft bei SEB AM. Und eine Sprecherin von Skandia Investment bestätigte – ohne das näher zu quantifizieren -, dass die hauseigenen Skandia-Fonds, die in schwedische Rentenpapiere investieren, ebenfalls europaweit hohe Mittelzuflüsse verzeichneten.

"Fluchtwährung" wichtig, aber nicht alleiniger Kaufgrund
Viele Anleger haben dabei Fondsanteile gekauft, um ihr Geld möglichst stabil in einer "Fluchtwährung" anzulegen. "Der Aspekt, ihre Gelder über die Eurozone hinaus zu diversifizieren, war für viele Kunden entscheidend für eine entsprechende Investition", bestätigt Dan Sauer, Geschäftsführer der Nordea Fonds Service GmbH, der deutschen Vertriebstochter Nordeas. Allerdings war dies nicht der einzige Investitionsgrund, auch die vergleichsweise hohen Renditen von einigen skandinavischen Rentenpapieren spielten dabei eine Rolle. So berichtet Klomfass, dass die Eurokrise beim Vertrieb des "SEB Danish Mortgage Bond Fund" zwar geholfen, für Investoren aber nicht im Vordergrund gestanden habe: "Anleger sind auf der Suche nach sicheren Rentenmärkten gewesen, die gleichzeitig eine überdurchschnittliche Rendite bieten", so der Experte von SEB AM. "Und hier sind dänische Hypothekenpfandbriefe interessant, weil die zur Sicherung eingesetzten Hypotheken auf einer restriktiven Kreditvergabe basieren. Seit 200 Jahren ist kein dänischer Pfandbrief ausgefallen, und die aktuelle Verzinsung der Pfandbriefe liegt immer noch bei zwei bis drei Prozent."

Sinkende Renditen brachten Kursgewinne
Nimmt man die oben genannten Erfahrungen der Fondsgesellschaften, so ist für Anleger neben einer sicheren Anlage natürlich auch die Gesamtperformance aus ihrem Investment von Bedeutung. Sinkende Renditen in Skandinavien brachten ansehnliche Kursgewinne bei länger laufenden Anleihen. In allen drei Ländern sind die Renditen von Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren im letzten Jahrzehnt von rund fünf Prozent (Schweden und Dänemark) beziehungsweise sechs Prozent (Norwegen) auf rund 1,9 Prozent in Norwegen und Dänemark sowie 2,37 Prozent in Norwegen gefallen.

OECD: Wirtschaftsausblick für Skandinavien besser als für Kerneuropa
Nun stellt sich die Frage, wie die Rahmenbedingungen für entsprechende Investments im laufenden Jahr aussehen. Ihren Status als "sichere Währungshäfen" dürften die drei skandinavischen Länder wohl auch in 2012 behalten. Im Falle von Norwegen, Schweden und Dänemark sind die Wirtschaftsaussichten besser als für den Euroraum, auch wenn die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für Skandinavien mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums und sinkendem Konsum im ersten Halbjahr 2012 rechnet. Der Abschwung in Dänemark dürfte sogar länger anhaltend sein. Insgesamt geht die OECD wie auch andere Analysten davon aus, dass sich auch der Norden Europas nicht von der Entwicklung in Europa wird abkoppeln können.

Dennoch haben die drei Staaten laut OECD neben guten Wachstumsraten immer noch solide Staatshaushalte und niedrige Haushaltsdefizite. Vor allem Norwegen steht aufgrund seiner reichen Ölvorkommen gut da. Zudem werden Norwegen und Schweden auf Basis der fünfjährigen Credit Default Swaps (CDS) immer noch unter die sichersten Staaten weltweit eingestuft. Und schließlich zeigt der starke Rückgang der Renditen in Skandinavien ein hohes Anlegervertrauen in die "Scandies". Zum Vergleich: Das krisengeschüttelte Italien muss Gläubigern derzeit einen Risikoaufschlag von über 5,5 Prozentpunkten für 10-Jahres-Anleihen zahlen. (jb)

Anhang:

Tabelle skandinavische Devisenfonds

Quelle:FONDS professionell

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