Sollte während des Bilanzabbaus der US-Notenbank die Inflationsrate zunehmen und die Fed gezwungen sein, die Zinsen weiter anzuheben, könnte sie damit eine neue Rezession auslösen. Davor warnt Wolfgang Köbler, Vorstand der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg. "Anleger sollten sich darauf einstellen, dass die Zentralbanken ihren restriktiven Kurs beibehalten werden, allen voran die Fed", sagt Köbler. Die Zeiten extrem billigen Geldes seien vorerst vorbei.

In den vergangenen Jahren hat die Fed jeden Monat Anleihen im Wert von bis zu 85 Milliarden US-Dollar aufgekauft. Das drückte die Renditen auf ein historisches Tief und ließ die Bilanzsumme der US-Notenbank zwischen den Jahren 2008 und 2014 auf bis auf 4,5 Billionen US-Dollar anschwellen – vier Mal so viel wie vor der Finanzkrise. Nun beginnt die Fed mit dem Abbau ihrer Bestände. Das scheint die Marktteilnehmer bislang nicht zu verunsichern.

Auswirkungen auf das globale Finanzsystem
"Viele Marktteilnehmer gehen davon aus, dass der Umkehrprozess nur geringe Auswirkungen auf das globale Finanzsystem haben wird. Wir teilen diese Meinung nicht", sagt Köbler. Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warne seit geraumer Zeit davor, dass die Risiken für die Stabilität des Finanzsystems größer sind, als von der Fed zugegeben. Ein Problem ist die Frage, wer die von der US-Notenbank verkauften Anleihen kauft. "Der Ausstieg kann nur gelingen, wenn das Ausland die Anleihen absorbiert", sagt Köbler. Ob dies bei der nicht gerade verlässlichen Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump gelingen könne, bleibe offen. (fp)