Mark Angelo ist stinkwütend. Was verständlich ist: Immerhin wurde der Chef des US-Hedgefonds Yorkville Advisors von der US-Aufsichtsbehörde SEC sechs Jahre lang der Lüge, des Betrugs und der Manipulation bezichtigt. Seit wenigen Wochen ist klar: Zu Unrecht. Doch der Reihe nach.

Wir schreiben Oktober 2012. Kein guter Monat für Yorkville. Denn die SEC beschuldigt das Investment-Haus "das von Ihnen verwaltete Vermögen zu hoch angesetzt und die berichteten Gewinne übertrieben zu haben, um Verluste zu verschleiern und höhere Gebühren von Kunden einfordern zu können." Im Detail habe das Management "Pensionsfonds und andere institutionelle Investoren dazu verleitet, in den Hedge Fonds zu investieren", indem man "betrügerische" Angaben zu Strategie, Gebühren und zur Performance gemacht hat.

Yorkville, dessen Strategie auf Investments in kleinere Unternehmen mit finanziellen Schwierigkeiten hinauslief, stellte diese Anschuldigungen in Abrede und zog, nachdem die SEC nicht locker ließ, vor ein Bundesgericht.

Keine Beweise, stattdessen ...
Die Angelegenheit zog sich über knapp sechs Jahre hin– das auf 72 langen Seiten begründete Urteil kommt für die SEC aber letzten Endes einer professionellen Hinrichtung gleich. Yorkville hätte in keinem einzigen Anklagepunkt "betrügerisch oder irreleitend" agiert. Auf der anderen Seite habe die SEC niemals auch nur einen Beweis für ihre Anschuldigungen vorgelegt und stattdessen "versucht, ihre Vorwürfe durch Fehlinterpretation der Sachlage zu stützen."

Im Gegensatz zu dem medialen Getöse, mit dem die SEC ihre fragwürdige Untersuchung eingeleitet hatte –  Wall Street Journal und New York Times hatten berichtet – verlief die Einstellung des Verfahrens relativ sang- und klanglos. Gegenüber Marketwatch, das sich der Vorkommnisse medial angenommen hat, gab es weder von der SEC noch von den damals handelnden Beamten einen Kommentar. Aufkommen muss die Behörde immerhin für einen Teil der Verfahrenskosten: 22.051 US-Dollar. Personelle Konsequenzen gibt es nicht. Bruce Karpati und Robert Kaplan, die für die Untersuchung verantwortlich zeichnen, haben die Behörde verlassen und gut dotierte Jobs in der Privatwirtschaft an Land gezogen. Ein entrüsteter Angelo gegenüber Marketwatch: "Ich musste wegen dieser Geschichte 40 Mitarbeiter entlassen – aber Karpati? Der arbeitet jetzt bei KKR."

... Algorithmus aus der "Black Box"
Doch wie konnte es zu einem derartigen Aussetzer bei der Aufsicht kommen? Die Erklärung beginnt bei Bernie Madoff. Nachdem die SEC von diesem aufsehenerregenden Fall vollkommen überrumpelt worden war, ließ die Behörde 2009 einen Algorithmus zur Früherkennung ähnlicher "Schneeballsysteme" programmieren. Das Tool wurde "Aberrational Performance Inquiry", kurz "API", genannt uns speist sich aus sogenannten "Form PF-Daten" – das sind Daten, die den Behörden aus der Finanzindustrie zur Verfügung gestellt werden und beispielsweise die Performance der Hedgefonds messen.

Im März 2011 trat der damalige Chef der SEC-Division of Enforcement, Robert Khuzami vor die Presse: "Wenn jemand den Markt auf einer wiederkehrenden Basis um drei Prozent schlägt, dann kommen wir zu Besuch." Auch Khuzamis Stellvertreter, Karpati und Kaplan, bezogen sich in ihren Presseauftritten auf die auffällig gute Performance von Yorkville Advisors: "Die außergewöhnlichen Ergebnissse, die von diesen Beratern und Managern ausgewiesen wurden, waren in den meisten Fällen zu gut, um wahr zu sein. In anderen Fällen waren Ausreißer bei den Gewinnen ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmte."

Computer sind doof
Prozessbeobachter wie der ehemalige SEC-Mitarbeiter Tom Gorman kritisieren das Vorgehen der Aufseher dahingehend, dass die Behörde sich offenbar in Details verrannt und tatsächlich vorliegende Fakten dagegen schlicht ignoriert habe. Dezidiert stellt er die Anwendung des API-Algorithmus an den Pranger: "Dieser wurde programmiert, um am Anfang der Analyse eingesetzt zu werden" und nicht, um als alleiniges Beweismittel zu fungieren.

Lässt sich nur hoffen, dass der SEC der Fall Yorkville Advisors als mahnendes Beispiel dafür dient, wie man es nicht machen soll. Laut Angaben von Marketwatch kommt jedenfalls der Begriff "API" in den Aussendungen der SEC in jüngster Zeit nicht mehr vor. (hw)