Die Inflation bleibt bislang hartnäckig hinter den Zielen der großen Notenbanken zurück – trotz der Liquiditätsschwemme der vergangenen Jahre. "Von den Maßnahmen der Zentralbanken profitieren einzig die verschiedenen Anlageklassen an den globalen Finanzmärkten", sagt Frank Wenzel, Anlagestratege bei Axa Investment Managers (Axa IM). Er ist überzeugt: Die herkömmlichen Modelle der Notenbanken zur Inflationsprognose sind nicht mehr zeitgemäß.

Ein Prognosemodell aus den 1960er Jahren geht von einer konsistenten Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit aus. Je niedriger die Arbeitslosenquote, desto enger ist demnach der Arbeitsmarkt und desto schneller steigen die Löhne. Das wiederum treibt die Preise von Gütern und Dienstleistungen. Arbeitslosigkeit kann nach diesem Modell implizit über hohe Zinsen bekämpft werden. "Solche Modelle sind nach den Entwicklungen der vergangenen Jahre allerdings kaum noch anwendbar", sagt Wenzel. "Die Welt ist in Bezug auf Warenhandel und Mobilität von höher qualifizierten Arbeitsplätzen in Billiglohnländern flexibler geworden."

Finanzmarktkontrolle als oberstes Ziel
Am Beispiel der USA zeigt sich, dass sich Preissteigerungen kaum durchsetzen lassen, solange im Ausland ausreichende und günstigere Kapazitäten vorhanden sind, um Güter auch für den US-Markt zu produzieren. Angebotsengpässe wie im Lehrbuch entstehen so fast keine mehr. "Es dürfte wohl auch noch Jahre dauern, bis die globale Wirtschaft an ihre Kapazitätsgrenzen stößt und es deshalb zu Lohn- und Preissteigerungen über die verschiedensten Sektoren hinweg kommt", so Wenzel. Daneben beeinflusst die demografische Entwicklung das Preisniveau.

Kritik an veralteten Prognosemodellen wird von den Zentralbanken weitgehend ignoriert. "Man kann deshalb mutmaßen, dass das neue übergeordnete Ziel der Notenbanken die Stabilisierung oder gar die Kontrolle der Finanzmärkte ist", sagt Wenzel. "Dieses Ziel scheint der Preisstabilität vorangestellt zu werden, unter Ausblendung eigener Zweifel und wenn nötig unter Berufung auf nicht mehr zeitgemäße Modelle." Anlegern rät der Stratege, die Geldpolitik sehr genau im Auge zu behalten und ihr Portfolio entsprechend aufzustellen. (fp)