Das Zinstief in Europa treibt Anleger in unnötige Risiken, sagt Emmerich Müller, Partner beim Bankhaus Metzler. "Anleger investieren in Dinge, in die sie nie investiert hätten – aus Mangel an Alternativen", erklärt Müller. Das rekordniedrige Zinsniveau dränge immer mehr Investoren in immer riskantere Anlageklassen. Diese Entwicklung berge erhebliche Gefahren: "Wenn in vielen Ländern Europas Altersvorsorgesysteme auf Dauer nicht mehr funktionieren, ist das ein gesellschaftliches Problem", warnt Müller.

So gibt es zum Beispiel 90 Millionen Lebensversicherungen in Deutschland. Sie werfen immer weniger Zinsen ab, einstige Vorsorgepläne der Menschen werden damit zur Makulatur. "Wenn viele Menschen das Gefühl bekommen, diese Europäisierung geht zu ihren Lasten, birgt das erheblichen gesellschaftlichen Sprengstoff", so der Metzler-Partner.

EZB-Politik hilft nicht mehr lange
Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Märkte bis mindestens März 2017 mit billigem Geld fluten, die Zinsen sind zudem bei einem Stand von 0,05 Prozent quasi abgeschafft. "Ich glaube nicht, dass diese Politik uns noch lange weiterhilft", sagt Müller. Er habe wenig Hoffnung, dass die EZB in naher Zukunft ihren expansiven Kurs zurückfahren wird. "Wir haben es aktuell in der Tendenz mit einem Auseinanderdriften Europas zu tun. Umso mehr ist die EZB in einer Situation, in der sie keine Trendwende einleiten wird." (fp)