Die ökonomische Beurteilung von Naturkatastrophen hat bisweilen etwas Zynisches. Im Fall der jüngsten Stürme "Harvey" und "Irma" fällt es angesichts der Verwüstungen und menschlichen Tragödien besonders schwer, eine vorläufige Bilanz zu ziehen, sagt Harald Preißler, Chefvolkswirt von Bantleon. Tut man es dennoch, kommt man zu dem Ergebnis, dass allein "Harvey" zwischen 50 und 100 Milliarden US-Dollar an Schäden verursacht hat. "Geht man davon aus, dass Irma mindestens eine ähnliche Größenordnung aufweist, kommen beide Stürme zusammen auf das Ausmaß von 'Katrina', dem teuersten Hurrikan nach dem Zweiten Weltkrieg", sagt Preißler.

Relevanter als Vermögensschäden sind die Produktionsausfälle, etwa im texanischen Energiesektor. Weil nur ein kleiner Teil der US-Bevölkerung betroffen ist, dürften sich die Folgen für das US-Wirtschaftswachstum allerdings in Grenzen halten. Im dritten Quartal könnte die US-Wirtschaft nun um 2,5 statt 3 Prozent wachsen, schätzen Analysten. "Mit Blick voraus sind die Hurrikans dann sogar ein kleines Konjunkturprogramm", sagt Preißler.

Erstens werden Produktionsausfälle nachgeholt, zweitens sorgt der Wideraufbau für einen Investitionsschub. In den nächsten Quartalen könnte das Wachstum deshalb sogar auf mehr als drei Prozent steigen.

Niemand will eine Obergrenze für Hilfe
Für die Börsen haben die Wirbelstürme noch andere positive Effekte. So ist die Debatte über die Schuldenobergrenze, die die USA lahmzulegen drohte, vorerst vom Tisch. "Niemand will schuld sein, dass infolge politischer Scharmützel den Opfern in Texas und Florida nicht geholfen wird", sagt der Bantleon-Volkswirt.

Darüber hinaus steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Fed den nächsten Zinsschritt zeitlich nach hinten verschiebt. Preißlers Fazit: "Es wäre nicht das erste Mal, dass die Finanzmärkte einer Naturkatastrophe per saldo etwas Gutes abgewinnen." (fp)