Anleger sollten ihre Aktienpositionen beibehalten, jedoch die Ausgangstür angesichts bereits am Horizont auftauchender Probleme und Widerstände fest im Blick haben. So lautet kurz zusammengefasst das Resümee einer Marktanalyse von Markus Tischer, Leiter Portfoliomanagement Multi-Asset bei Bantleon.

Eigentlich dürfte den Ausblick für deutsche Standardwerte für die erste Jahreshälfte 2018 nichts trüben, läuft doch die deutsche Konjunktur derzeit auf Hochtouren: Sowohl der Ifo-Erwartungsindex als auch der Markit/BME-Einkaufsmanagerindex, die beide 2017 deutlich zugelegt haben, sprechen für eine starke Wirtschaftsentwicklung.

Gleichzeitig liegt laut Tischer die durchschnittliche Aktienbewertung – gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis und basierend auf den Ertragsschätzungen für 2018 – mit einem Wert von etwa 14 unterhalb des langfristigen historischen Durchschnitts. Mit einem KGV von 14 sei der Dax zudem günstiger bewertet als der MSCI World, für den das 17-fache der Gewinne bezahlt werden müsse.

Markttechnik gibt grünes Licht
Und auch die für quantitativ gesteuerte Investmentfonds wichtige Markttechnik spricht laut Tischer für zunächst weiter steigende Notierungen: Der Dax handelt noch komfortabel oberhalb seines Sechs-Monats-Durchschnitts, und die 200-Tage-Linie ist derzeit noch über fünf Prozent entfernt. "Erst ein Unterschreiten dieser Kursmarken erhöht das Risiko von Absicherungsverkäufen deutlich“, erklärt Tischer.

Immer mehr Gewitterwolken ziehen auf
Allerdings ziehen nach Einschätzung Tischers sowohl von fundamentaler als auch von markttechnischer Seite die ersten Gewitterwolken auf. "Unsere konjunkturellen Frühindikatoren, die einen deutlichen Vorlauf vor den offiziellen Frühindikatoren haben, prognostizieren für das erste Quartal 2018 ein Ende des aktuellen Aufschwungs und zumindest eine konjunkturelle Delle. Die Historie zeigt: Wenn sich die Konjunktur abschwächt, ist das Rückschlagrisiko für den Aktienmarkt besonders hoch“, warnt Tischer mit Verweis auf eine Grafik, die Sie in oben in der Bildergalerie finden.

Tischer geht in seinem Kommentar auch noch auf die charttechnischen Aussichten für den Dax ein und warnt vor einem hartnäckigen Widerstand, der vor über zwei Jahren den Dax um circa 30 Prozent in Richtung Süden schickte. Tischers Erläuterungen sowie den Chart dazu finden Sie in der Bildergalerie oben.

Überraschende Trendwende voraus?
Dieser Cocktail aus konjunktureller Schwäche und massiven technischen Widerständen könnte laut Einschätzung Tischers im ersten Quartal 2018 eine überraschende Trendwende auslösen. Nutznießer dieser Entwicklung dürfte abermals der sichere Hafen des Anleihenmarktes sein, der von der Veränderung der Kapitalmarktströme profitieren sollte.

Festzuhalten bleibt, dass sich mit der nächsten signifikanten Kursrally das Chance-Risiko-Verhältnis für eine Investition in deutschen Standardwerten sukzessive verschlechtert und in den kommenden Monaten der Anlagestil von "aggressiv“ auf "defensiv“ umgestellt werden sollte. "Potenzial besteht vor diesem Hintergrund beim Dax noch bis etwa 14.000 Punkte. Ein Rückschlag kann aber ohne Probleme 15 bis 20 Prozent vom jeweils erreichten Höchststand ausmachen“, erklärt Tischer abschließend. (aa)