Politische Risiken dürften in den kommenden Wochen für Turbulenzen an Börsen sorgen, vor allem in Europa. Davor warnt Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa beim Fondsanbieter Blackrock. Die Chancen stünden zwar gut, dass Aktien das Jahr 2018 leicht im Plus beenden. "Europa haben wir für die anstehenden Monate aber auf 'untergewichten' herabgestuft", sagt Lück. 

Über den Sommer könnte die Börsenlandschaft sich verändern, erwartet der Stratege. Das Risiko eines von US-Präsident Donald Trumps ausgelösten Handelskriegs hätten Investoren mehrheitlich auf dem Schirm und es sei eingepreist. Die Gefahren des Brexit schienen Anleger dagegen weniger zu sehen.

"Nach der Zwangsverpflichtung auf eine weiche Austrittsoption, die Premierministerin Theresa May jüngst ihrer Tory-Partei abgerungen hat, stehen die Zeichen auf Sturm", sagt Lück. Die jüngsten Minister-Rücktritte tun ihr Übriges. "Sollte es bis Oktober kein unterschriftsreifes Austrittsabkommen geben, könnte das Vereinigte Königreich doch noch ohne Netz und doppelten Boden aus der EU austreten – mit unabsehbaren Folgen", warnt der Stratege.

Berichtssaison könnte Katalysator sein
Angesichts der im zweiten Halbjahr anstehenden politischen Risiken brauche es einigen Optimismus, um noch an die Prognose vom Jahresanfang zu glauben, so Lück. Blackrock hatte für Ende 2018 leicht höhere Aktienkurse bei niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) vorhergesagt. Allerdings könnte die in diesen Tagen beginnende Berichtssaison für das zweite Quartal noch einmal zum Katalysator für Aktien werden.

"Wir halten es für gut möglich, dass die Gewinne wie schon in den Vorquartalen positiv überraschen und auch der Ausblick für das dritte Quartal optimistisch bleibt. In der Folge dürften Analysten ihre Schätzungen nach oben revidieren", sagt Lück. Dann könnte es mit den Aktienkursen noch einmal aufwärts gehen – angesichts der politischen Risiken aber eher an den US-Märkten. (fp)