Die vergangenen Wochen dürften sich für Investoren angefühlt haben wie die Vertreibung aus dem Paradies, konstatiert Blackrock-Anlagestratege Martin Lück. Erst sorgten rascher steigende Zinsen für Nervosität, dann kehrte die Volatilität mit Macht zurück, verstärkt durch den Kollaps gehebelter Handelsstrategien auf ebendiese Marktschwankungen. Das Umfeld ist zwar nach wie vor günstig, dank soliden globalen Wirtschaftswachstums, nur langsam anziehender Inflation und stabiler Unternehmensgewinne. "Dennoch dürfte die Volatilität kaum auf das alte Maß zurückgehen", prophezeit Lück.

Investoren sind auf der Suche nach dem neuen "normalen Risiko", sagt der Blackrock-Stratege. "Üblicherweise dauern derartige Prozesse länger als nur ein paar Tage." Es ist also durchaus möglich oder sogar wahrscheinlich, dass die Aktienkurse in der kommenden Zeit weiterhin stärker schwanken als vor dem 5. Februar. "Und wo immer sich das neue, für normal befundene Risiko einpendelt: Es dürfte höher sein als im Durchschnitt des letzten Jahres", so Lück.

US-Steuerreform ist der Bösewicht
Als Auslöser für die Zinsängste und den Volatilitätsausbruch hat der Anlageprofi die Steuerreform in den Vereinigten Staaten ausgemacht. Einerseits könnten die niedrigeren Unternehmenssteuern das Wachstum ankurbeln und die US-Wirtschaft an den Rand der Überhitzung treiben. Damit einher geht die Sorge, dass die Inflation rascher anzieht als erwartet.

Andererseits könnten die Kosten der Reform das Schatzamt dazu zwingen, verstärkt Schuldtitel auszugeben – mit kräftigeren Zinssteigerungen als Folge. "Der neuerliche Shut-down der letzten Woche sowie der am Ende beschlossene neue Haushalt, der eine umfangreiche Neuverschuldung vorsieht, deuten an, dass diese Sorgen nicht völlig unbegründet sein dürften", sagt Lück. (fp)