In Deutschland ist derzeit der Wurm drin: Die Automobilindustrie versinkt im Dieselnebel, die müden Fußball-Weltmeister von Triner Joachim Löw werden von Mexiko vorgeführt, und ein Auseinanderfallen der Regierung ist nach wie vor nicht auszuschließen. Vor allem letzteres schürt bei Anlegern Ängste, sagt Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie beim Investmenthaus Blackrock. "Dies alles spricht für einen unbequemen Cocktail, der Anleger um europäische Aktien und Anleihen vermutlich eher einen Bogen machen lässt", erklärt er. 

Die Unsicherheit an den Märkten drückt auch auf den Euro. Die schwächere Sicht auf die europäische Gemeinschaftswährung wird verstärkt durch den Spagat, den EZB-Präsident Mario Draghi vergangene Woche versuchte: Zwar hat die Europäische Zentralbank den lange erwarteten Ausstieg aus den Anleihekäufen zum Jahresende fest angekündigt. Zugleich schloss Draghi aber jegliche Zinserhöhung vor Sommer 2019 aus, um seiner Ankündigung die Härte zu nehmen. "Diese über ein Jahr in die Zukunft reichende 'Forward Guidance' kam völlig unerwartet und schickte den Euro auf Talfahrt", sagt Lück.

Niedrige Volatilität bei europäischen Aktien
Die aktuelle Gemengelage ist für den Blackrock-Strategen noch kein Grund, das Portfolio auf Krisenmodus umzustellen. "Bis dato signalisieren uns die Märkte nämlich, dass ein Großteil der Anleger trotz wachsender Irritationen 'risk on' bleibt, abzulesen etwa an der sehr niedrigen Volatilität europäischer Aktien", sagt er.

Auch die Einengung der italienischen Risikoaufschläge zeugt von einer gewissen Entspanntheit. Von einer Entwarnung kann zwar trotz beruhigender Statements italienischer Spitzenpolitiker noch keine Rede sein. "Solange aber diese entspannte Wahrnehmung vorherrscht, werden Risikoaktiva outperformen", ist Lück überzeugt. (fp)