Der Fondsanbieter Banque de Luxembourg Investments (BLI) wird an seinem auf Qualitätsaktien ausgerichteten Investmentansatz festhalten – obwohl diese Titel inzwischen ambitioniert bewertet sind. "Über den gesamten Markt hinweg waren Aktien nur zur Jahrtausendwende höher bewertet als heute", sagte Guy Wagner, Chief Investment Officer des Asset Managers, im Interview mit FONDS professionell, das in voller Länge in der aktuellen Printausgabe 4/2017 erschienen ist.

Zur Jahrtausendwende seien insbesondere die Kurse von Tech- und Telekomaktien aufgeblasen gewesen. "Eine solche spekulative Blase erkenne ich derzeit allerdings nicht", sagt Wagner. Es gebe nicht einzelne Sektoren mit völlig übertriebenen Kursen. "Eher ist es so, dass alles teuer geworden ist. Darum würde es wenig Sinn ergeben, sich von seinen Qualitätsaktien zu verabschieden – die anderen Titel sind ebenfalls hoch bewertet."

Viel wird mit Aktien nicht zu verdienen sein – aber mehr als mit Anleihen
Die alles entscheidende Frage sei, ob diese hohe Bewertung gerechtfertigt sei. "Wir rechnen damit, dass die Zinsen auf Jahre hinaus niedrig bleiben werden", betont Wagner. Das Wachstumspotenzial der Industrienationen sei deutlich geringer als früher, schon aufgrund der Demografie. "Dazu kommen die hohen Schulden. Bereits vor der Finanzkrise 2008 waren die Schulden zu hoch, seither sind sie weiter gestiegen – nur verlagert vom Privat- auf den Staatssektor", sagt der Kapitalmarktexperte.

Die Wirtschaft und die Staaten könnten keine deutlich höheren Zinsen vertragen, so Wagners Analyse. "Deshalb sehe ich keinen Grund, warum die hohen Bewertungen am Aktienmarkt unter Druck kommen sollten. Der Zins spielt in allen Aktienbewertungsmodellen eine Rolle. Solange er niedrig bleibt, sehen Aktien nicht zu teuer aus."

Wagner betont jedoch, dass mit Aktien in den kommenden Jahren wahrscheinlich nicht viel Geld zu verdienen sein wird. "Auf Sicht von zehn Jahren sind unserer Meinung nach drei bis fünf Prozent per annum realistisch – inklusive Dividende. Das klingt wenig im Vergleich zu den acht oder neun Prozent der Vergangenheit, ist aber deutlich attraktiver als alles, was mit Anleihen zu verdienen ist."

Ein Schuldenschnitt ist "nicht ganz unwahrscheinlich"
Wagner zufolge gibt es keine bequeme Art und Weise, aus der Schuldenspirale herauszukommen. "Die eleganteste Lösung wäre ein kräftiges Wirtschaftswachstum – doch das ist nicht in Sicht." Inflation sei eine andere Möglichkeit, aber auch an dieser Front tue sich wenig. "Denkbar sind weiterhin Schuldenrestrukturierungen: Wir hatten in der Eurozone ja schon einen Schuldenschnitt, ganz unwahrscheinlich ist dieses Szenario also nicht", meint Wagner.

Die letzte Lösung wäre eine Währungsreform. "Allerdings dürfen wir nicht unterschätzen, welche Macht die Zentralbanken und die Politik haben, daher kann sich die Spirale noch eine ganze Weile lang weiter in die Höhe schrauben." In Japan besitze die Notenbank schon 40 Prozent der Staatsschulden. "Eines Tages sind es vielleicht 100 Prozent – und dann werden die Schulden annulliert. Denkbar ist das."

"Die Niedrigzinsen führen zwangsläufig zu Verwerfungen in der Marktwirtschaft"
Wagner räumt ein, dass die Krise damit nur scheinbar gelöst wäre – denn dann würden die Bürger wohl das Vertrauen in das Geldsystem verlieren. Erste Anzeichen dafür gebe es schon. "Das erklärt die Nachfrage nach Gold oder auch Phänomene wie Bitcoin", so Wagner.

Noch nie zuvor seien die Zinsen über so lange Zeit so niedrig gewesen, daher kenne auch niemand die Lösung. "Klar ist nur, dass die extremen Niedrigzinsen früher oder später zwangsläufig zu Verwerfungen in der Marktwirtschaft führen", ist Wagner überzeugt. "Wir bewegen uns also in einem sehr risikoreichen Umfeld – in dem es dennoch richtig ist, in Aktien zu investieren. Denn ein gut geführtes Unternehmen kann auch eine schwerwiegende Wirtschaftskrise überleben." (bm)


Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Heftausgabe 4/2017 von FONDS professionell. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.