Der globale Konjunkturzyklus tritt allmählich in ein fortgeschrittenes Stadium ein. Die europäischen und die Schwellenländer-Märkte liegen mittlerweile mit dem US-Aktienindex S&P 500 gleichauf, berichtet Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac Gestion. Auch die Rentenmärkte sind zuletzt gestiegen. Die Wirtschaft hat von der Politik die Oberherrschaft über die Märkte zurückgewonnen. Im zweiten Halbjahr könnte es an den Märkten allerdings turbulenter werden, warnt Saint-Georges.

Vor etwas mehr als einem Jahr begannen sich die globalen Wirtschaftsindikatoren zu verbessern. Mittlerweile ist die Lage so gut, dass die Frage lauter wird, wann die großen Notenbanken ihre ultralockere Geldpolitik normalisieren werden. "Schließlich lässt sich nunmehr kaum noch durch politische Ungewissheit davon ablenken", sagt der Carmignac-Manager. "Wenn das nominale weltweite Wachstum weiterhin anzieht, wenn auch nur moderat, werden die Zentralbanken die Normalisierung ihrer Geldpolitik im zweiten Halbjahr beschleunigen müssen."

Hohe Bewertungen begünstigen Überreaktionen
Wird die Geldpolitik restriktiver, belastet das die Aktienmärkte. Viele Titel sind mittlerweile enorm hoch bewertet. So sind etwa die Kurse zyklischer Aktien stark gestiegen, ebenso wie die Kurse von Technologiewerten. Das vergrößert die Gefahr einer Überreaktion auf externe Schocks oder Enttäuschungen, sagt Saint-Georges – und diese könnten im zweiten Halbjahr durchaus anstehen. "Allen sollte bewusst sein, dass die Zyklen nicht ewig dauern und dass man von nun an sehr wachsam auf Zeichen einer Trendwende achten muss", mahnt Saint-Georges. (fp)