Das Anlegervertrauen wird im Jahr 2018 anfällig für die Steuerung der Zentralbanken, aber auch für das politische Umfeld sein, erklärt Didier Saint-Georges, Stratege und Mitglied des Investmentkomitees beim französischen Fondsanbieter Carmignac: "Die Märkte bilden ein System, dessen innere Beziehungen ungekannte Verzerrungen aufgrund der Intervention der Zentralbanken erlebt haben." Das gesamte System werde von diesem Jahr an einen weiteren Wandel erleben und so völlig neue Risiken und Chancen hervorbringen, erwartet der Stratege.

Grundsätzlich würden die Finanzmärkte Jahr 2018 noch stärker von den Faktoren Politik und Wirtschaft sowie der Konstellation der Märkte abhängen als im Vorjahr. "Diese Bereiche sind zwar voneinander getrennt, stehen aber in gegenseitiger Abhängigkeit", sagt Saint-Georges. So würde etwa ein verspätetes Wiederaufkommen von Inflationsdruck die Zentralbanken dazu veranlassen, die Straffung ihrer Geldpolitik zu beschleunigen – und zudem verdeutlichen, wie teuer die Anleihemärkte sind. Andererseits würde eine Enttäuschung beim Wachstum oder gar der Inflation die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken auf die Probe stellen. 

"Gipfel der Verzerrung"
Rückblickend sagt der Stratege, im Jahr 2017 sei "der Gipfel der Verzerrung der Marktpreise" erreicht worden. Die endlich eingetretene Konjunkturerholung, die den Anstieg der Aktienmärkte beschleunigt habe, habe immer noch keine deutliche Anpassung der Anleihemärkte bewirkt. "Auch in dieser Hinsicht könne das Jahr 2018 ein bedeutender Wendepunkt sein", sagt Saint-Georges. Diese Wende zu steuern, ohne abrupte Korrekturen der Märkte auszulösen, werde eine unvergleichliche Herausforderung für die Zentralbanken. (fp)