Im Sommer sind die Finanzmärkte von größeren externen Schocks verschont geblieben. Das Konjunkturumfeld war insgesamt positiv. Hinter dieser ruhigen Fassade haben sich allerdings die globalen wirtschaftlichen Gleichgewichte weiter verschoben, warnt Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentkomitees beim Fondsanbieter Carmignac Gestion.

Er macht diese Einschätzung an zwei Beobachtungen fest: am Fall des US-Dollars seit Jahresbeginn und am Rückgang der risikofreien Zinssätze. "Beide Entwicklungen deuten auf Anlegerängste hin", erklärt Saint-Georges.

Seit Jahresbeginn gibt es einen scharfen Kontrast zwischen der globalen Wirtschafts- und der Zinsentwicklung. In den ersten Monaten 2017 führten politische Unsicherheiten in der Eurozone zusammen mit den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank (EZB) dazu, dass für deutsche Bundesanleihen ein außergewöhnlicher Aufschlag fällig wurde. Im Sommer wandelte sich das Umfeld allerdings. Nach Schätzungen von Carmignac müsste die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen derzeit bei mindestens einem Prozent liegen. "Dieser Umstand wird vom Markt im Moment aber völlig übergangen", sagt Saint-Georges.

Preisverzerrungen bringen Probleme
Die Entwicklung des Euro-Dollar-Kurses ist ungewöhnlich, die aktuelle Euro-Stärke aber durchaus gerechtfertigt, so der Experte. Anleger sollten allerdings überprüfen, wie groß der Dollar-Anteil in ihrem Portfolio ist. "Die Preisverzerrungen bei Staatsanleihen und der Paradigmenwechsel beim Euro-Dollar-Kurs verursachen erhebliche Marktstörungen", sagt er.

Eine Normalisierung der Anleiherenditen dürfte Investoren in Schwierigkeiten bringen und sich zudem automatisch auf die Risikoprämie der Aktienmärkte auswirken. Und ein weiterer Anstieg des Euro gegenüber dem Greenback würde die Unternehmensergebnisse in der Eurozone drücken. (fp)