Erstmals ist in China eine staatseigene Investmentholding Pleite gegangen. Die Beteiligungsgesellschaft der westchinesischen Provinz Xinjiang, Sixth Agriculture State-Owned Assets Management, konnte eine Anleihe mit einem Volumen von 500 Millionen Yuan (etwa 63 Millionen Euro) nicht mehr bedienen. Die Wirtschaftszeitung "Financial Times" wertet dies als Signal dafür, dass die Regierung in Peking nicht mehr ohne weiteres strauchelnde Unternehmen stützt – selbst wenn es sich um staatseigene Gesellschaften handelt.

Die chinesische Regierung startete einen Feldzug gegen den deutlichen Schuldenaufbau bei durch Unternehmen, Privathaushalte und Provinzen. Für letztere führte Peking strikte Obergrenzen ein. Allerdings durften die lokalen Verwaltungen dies über die Gründung von Investmentholdings wie Sixth Agricultural umgehen. Mit der Pleite dieser Gesellschaft stellt die Regierung der Volksrepublik nun klar, dass Investoren mit Verlusten rechnen müssen. Die Investmentvehikel der Provinzen dienen oft zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten.

Im Frühjahr hatte die Regierung noch den ins Straucheln geratenen Versicherer Anbang mit Zuschüssen in Höhe von rund acht Milliarden Euro gestützt. Der drittgrößte chinesische Versicherungskonzern war Ende Februar für zunächst ein Jahr unter staatliche Kontrolle gestellt worden. Der Gründer und ehemalige Chef von Anbang, Wu Xiaohui, war im Mai wegen illegaler Kapitalbeschaffung und Veruntreuung zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. (ert)