Die Risikoprofile einzelner Branchen sind nicht in Stein gemeißelt – sie ändern sich im Laufe der Zeit. "Im Jahr 1999 beispielsweise vertraten einige Analysten die Ansicht, dass Lebensmittelhersteller zu den weniger sicheren Unternehmen zählten und gewiss nicht defensiv seien", erzählt William Davies, globaler Aktien-Chef bei Columbia Threadneedle. Die Geschäftsmodelle von Lebensmittelkonzernen galten als veraltet und deshalb riskant. Stattdessen wurden Unternehmen als defensiv betrachtet, die sich neuen Technologien und der beginnenden Digitalisierung widmeten.

Rückblickend zeigt sich der Fehler in dieser Denkweise: Konsumgütertitel haben ihren Status als defensive Werte mitnichten verloren, sondern vielmehr zementiert.

Auch aktuell sieht Davies einige Herausforderungen, die den Charakter einzelner Branchen verändern könnten. "Eines der offenkundigsten Beispiele ist der Einzelhandelssektor, in dem stationäre Einzelhändler unter dem Vormarsch des E-Commerce leiden", sagt er. Auch die Automobilbranche steht vor einem Umbruch. Es wird spannend zu sehen, welche Veränderungen die Umstellung auf Elektrofahrzeuge und der Trend zum autonomen Fahren mit sich bringen. Schließlich nennt Davies auch den Telekommunikationssektor. Dieser ist im Wandel, weil sich die Art der Kommunikation ändert.

Gewinner von morgen identifizieren
Selbst große, marktbeherrschende Unternehmen sind vor Umwälzungen nicht gefeit. Der Aktien-Chef von Columbia Threadneedle nennt dafür drei mögliche Auslöser: Erstens kann ein Unternehmen durch schlechtes Management zusammenbrechen. Zweitens kann es durch neue Regulierung zugrunde gehen. Drittens kann es durch neue Technologien verdrängt werden.

Davies sieht in solchen Entwicklungen allerdings auch Chancen. "Wenn es uns gelingt, die Technologieunternehmen mit dem Wertschöpfungsmodell für die nächste Generation zu erkennen, dann sind das wahrscheinlich die künftigen Gewinner", sagt er. (fp)