Der Rechtspopulist Geert Wilders hat bei der Wahl in den Niederlanden eine Schlappe einstecken müssen. Ein EU-Austritt der Niederlande, wie ihn Wilders fordert, ist damit erst einmal vom Tisch. Noch steht allerdings die französische Präsidentschaftswahl an – und die birgt enorme Marktrisiken, warnt Mark Burgess, globaler Aktienchef der Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle.

Fährt die EU-Feindin Marine Le Pen einen Sieg ein, käme es am französischen Kapitalmarkt zu Turbulenzen, die auch andere europäische Märkte erfassen würden. Der Abstand zwischen den Renditen französischer und deutscher Staatsanleihen würde sich nach einem Sieg des Front National deutlich vergrößern, sagt Burgess. Die Spreads französischer Papiere könnten auf rund 150 Basispunkte steigen.

Auch die Risikoaufschläge von Anleihen aus der Euro-Peripherie dürften zulegen. "Auf der Aktienseite könnte die Unsicherheit zu einem Kursrückgang von bis zu zehn Prozent führen", warnt Burgess. "Europäische Banken werden wahrscheinlich am stärksten betroffen sein. Ihre Aktien könnten um 20 bis 30 Prozent nachgeben."

Großbritannien ist ein Sonderfall
"Man kann einen möglichen Frexit nicht mit dem Brexit vergleichen", sagt der Aktienexperte. Das britische Pfund brach nach dem Brexit-Votum ein. Weil Investitionen im Vereinigten Königreich dadurch attraktiver wurden, trug der Einbruch zur Bewältigung des Leistungsbilanzdefizits bei. "In Frankreich müssen jedoch in erster Linie die Strukturprobleme auf dem Arbeitsmarkt in Angriff genommen werden. Und das lässt sich durch eine Währungsabwertung nicht bewerkstelligen", sagt Burgess.(fp)