Immer mehr Privatleute wagen sich über Gemeinschaftsprojekte an Immobilieninvestments. Viele machen hier ihre ersten "Gehversuche" abseits des Sparbuchs. Sie investieren über Crowdinvesting-Plattformen im Internet, die das Geld ihrerseits an Bauträger weitergeben.

Im vergangenen Jahr wurden so deutschlandweit rund 40 Millionen Euro eingesammelt, berichtet das "Handelsblatt". Das war doppelt so viel wie im Vorjahr. Das Wachstum von Immobilien-Crowdinvestings setzt sich auch aktuell ungebremst fort: Allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres wurde bereits die Hälfte des Vorjahresvolumens erreicht. "Crowdinvesting für Immobilien ist der Wachstumstreiber im deutschen Crowdinvesting-Markt“, heißt es beim Brancheninformationsportal Crowdfunding.de.

In Österreich zeigt sich ein ganz ähnliches Bild. Das 2016er Umsatzplus nationaler Crowdinvesting-Plattformen von satten 161 Prozent ging zu ganz wesentlichen Teilen auf das Konto von Gemeinschaftsbeteiligungen in Betongold. Eigene Auswertungen von FONDS professionell ONLINE kommen zu dem Schluss, dass mehr als 40 Prozent des vorjährigen Umsatzwachstums auf das Konto von immobiliengestützen Plattformen wie Home Rocket, Rendity und Immofunding gehen.

Neue Anbieter drängen in den Markt
Nicht nur Start-ups, auch etablierte Maklerfirmen wie Engel & Völkers steigen deshalb jetzt in das vielversprechende Geschäft mit der Schwarmfinanzierung ein. Zusammen mit der Kapilendo AG wurde Mitte März die Plattform ev-capital.de aus der Taufe gehoben, über die sich Privatanleger "gemeinsam mit institutionellen Investoren an Immobilienprojekten ausgewählter Projektentwickler beteiligen" sollen, so der Pressetext. Bisher seien die Investments über professionelle Anleger wie Versorgungswerke finanziert worden. "Mit der neuen Crowdinvesting-Plattform ermöglichen wir Anlegern den Zugang zu Projekten, die bisher für Crowdinvesting zu groß waren. Auf diese Weise können wir attraktive Projekte etablierter und leistungsfähiger Projektentwickler gewinnen und erfolgreich begleiten", meint E&V-Vorstand Robin Frenzel.

Solche Services namhafter Anbieter bedeuten allerdings nicht, dass es für Anleger kein Risiko gibt. Bei den Immo-Investments per Internet handelt es sich rein technisch gesehen meist um Nachrangdarlehen, sogenanntes Mezzanine-Kapital, erklären die "Handelsblatt"-Redakteure. Geht die Investition schief, werden zuerst die Banken und andere Gläubiger bedient. Die Crowd hingegen muss sich mit den Resten begnügen – sofern es noch welche gibt. Schlimmstenfalls droht ein Totalverlust.

Dieser Weg wird kein leichter sein
Noch ist unklar, in welche Richtung sich das Immobilien-Crowdinvesting zukünftig entwickelt. Auf der einen Seite steht das starke Wachstum der vergangenen Monate. Auf der anderen Seite zeigen Umfragen, dass das Gros der Investoren dieser Anlageform noch durchaus skeptisch gegenübersteht.

Eine Allensbach-Umfrage unter 1.441 Bundesbürgern im Auftrag des Crowdinvestment-Spezialisten iFunded, aus der "Handelsblatt" zitiert, hat ergeben, dass sich drei Prozent der Befragten gut und zehn Prozent vielleicht vorstellen können, im Schwarm Immobilien zu finanzieren. Von denen, die vielleicht investieren würden, habe allerdings etwa die Hälfte Zweifel an der Seriosität der Anbieter. Einige Marktbeobachter rechnen damit, dass die Skepsis schwinden wird – erst recht, wenn der allgemeine Preisanstieg am Immobilienmarkt noch eine Weile fortdauert.

Andere gehen davon aus, dass sich bald sogar die bereits aktiven Schwarm-Anleger wieder zurückziehen. Denn wenn der Immobilienboom abrupt endet, könnten ihnen Verluste ins Haus stehen, weil Entwickler Objekte mit hohen Abschlägen verkaufen. (ae/fp)