Der Fondsanbieter Degroof Petercam rechnet mit einem allmählich wiederkehrenden Anlegervertrauen in den italienischen Staatsanleihemarkt – es könnte allerdings eine Weile dauern, bis sich die Lage vollständig beruhigt hat. "Bis Ende 2018 wird die Unsicherheit noch sehr hoch bleiben. Bis dahin rechnen wir mit einem fragilen Investorenvertrauen, das Rückschläge verkraften muss", sagt Peter de Coensel, CIO Fixed Income bei Degroof Petercam.

Das Chaos um die Regierungsbildung in Italien hat tiefe Narben bei italienischen Staatsanleihen hinterlassen. Anfang Juni schossen die Renditen für zehnjährige Staatsbonds binnen weniger Tage von 1,7 bis auf über drei Prozent in die Höhe. Auslöser waren die Ankündigungen der Wahlsieger der Parlamentswahl, der Fünf-Sterne-Bewegung und der Lega Nord, den Euro abschaffen und eine alternative Parallelwährung einführen zu wollen. Beide Parteien haben in der kürzlich gebildeten Regierung unter Führung des parteilosen neuen Ministerpräsidenten Guiseppe Conte das größte Gewicht.

Enormer Verlust an Glaubwürdigkeit
"Der Markt für italienische Staatsanleihen hat einen enormen Verlust an Glaubwürdigkeit erlitten. Damit internationale Investoren in den Markt zurückkehren, muss die Volatilität deutlich geringer werden", sagt de Coensel. Bis Jahresende sollte der Spread gegenüber Bundesanleihen im Bereich zwischen 175 und 250 Basispunkten liegen, erwartet er. Ein Durchbruch für eine Entspannung der Situation könne bereits im Oktober erfolgen: "Dann hat die Regierung in Rom die Chance, eine verantwortungsbewusste Haushaltsplanung für 2019 vorzulegen." (fp)