Die Weltwirtschaft wird sich im kommenden Jahr voraussichtlich weiter erholen, die Inflation leicht anziehen. "Die Notenbanken werden ihren bereits eingeschlagenen Weg der geldpolitischen Straffung fortsetzen", sagt Hans Bevers, Chefökonom von Degroof Petercam. Auch auf Unternehmensebene seien die Aussichten gut, vor allem in den USA und in Europa. Sowohl Margen als auch Gewinne dürften weiter steigen. "Die Wahrscheinlichkeit für eine globale Rezession innerhalb der kommenden zwölf Monate liegt bei nur zehn Prozent", sagt Bevers.

Obwohl das Gesamtbild zuversichtlich stimmt, gibt es mehrere Gefahren für Konjunktur und Finanzmärkte. Dazu zählen etwa die hohen Aktienbewertungen in Europa und in den USA. Falls Anleger nervös werden, droht eine deutliche Korrektur, meint der Kapitalmarktprofi. Auch die anstehenden Wahlen in vielen asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Schwellenländern mit ungewissen Auswirkungen auf die künftige Wirtschafts- und Fiskalpolitik sind seiner Meinung nach ein Unsicherheitsfaktor.

Chinas Schuldenberg wird zum Problem
Besonders skeptisch ist Bevers in Bezug auf China. Für ihn stellt das Reich der Mitte eines der größten Risiken für die globale Wirtschaft dar. Chinas Wachstumsdynamik hat nachgelassen, das Kreditvolumen ist dagegen enorm gestiegen. Die Bruttoverschuldung der öffentlichen Hand liegt mittlerweile bei rund 80 Prozent des chinesischen Sozialprodukts. "Man muss sich fragen, ob bereits eine Kreditblase entstanden ist", sagt der Ökonom. Ein Abschwung in China könnte die Handelsvolumina und Rohstoffpreise weltweit nach unten drücken.

Auch der Austritt Großbritanniens aus der EU bleibt ein Risiko. Sollten die Briten es nicht schaffen, den Zeitplan für die Austrittsverhandlungen mit der EU einzuhalten, droht ein "Hard Brexit". Dieser würde nicht nur das Vereinigte Königreich hart treffen, sondern die gesamte Europäische Gemeinschaft. EU-weit könnten dann bis zu 1,2 Millionen Arbeitsplätze verlorengehen, warnt Bevers. (fp)