Die Zinsstrukturkurve in den USA flacht sich immer weiter ab. In der Vergangenheit war das meist ein Zeichen für eine bevorstehende Rezession. "Allerdings ging dieses Phänomen nicht jedem wirtschaftlichen Einbruch voraus, und es muss auch nicht zwingend zu einem inversen Verlauf kommen", sagt Michael Schorpp, Senior-Portfoliomanager und Anleihespezialist beim Vermögensverwalter DJE Kapital.

Wichtiger als der Verlauf der Zinsstrukturkurve sei die gegenwärtige wirtschaftliche Lage eines Landes – und die sei in den USA nach wie vor gut. "Niedrige Arbeitslosigkeit, gutes Wirtschaftswachstum, ein staatliches Konjunkturprogramm sowie Steuererleichterungen sind Indikatoren, die dafür sprechen, dass es zunächst noch so weiter läuft", sagt Schorpp. 

Unterschiedliche Sichtweisen
Auch wenn der derzeitige Zinsunterschied zwischen zweijährigen und zehnjährigen US-Staatsanleihen gering ist, sind die Erwartungen der Anleger derzeit äußerst unterschiedlich, beobachtet Schorpp. Anleger, die in zweijährige US-Staatsanleihen investieren, gehen von einer positiven Konjunkturentwicklung mit leicht steigenden Zinsen aus und legen das Geld nach der Endfälligkeit zu höheren Zinsen wieder an.

"Bei einem Engagement in zehnjährige US-Staatsanleihen glaubt man dagegen eher an eine negative Konjunkturentwicklung mit sinkenden Zinsen", sagt Schorpp. Deswegen sichern sich diese Anleger hohe Zinskupons und schieben das Wiederanlagerisiko in die Zukunft.

Konjunkturlage spricht für Unternehmensanleihen mit kürzeren Laufzeiten 
Seiner Meinung nach ist die US-Konjunktur so gut und die Inflation so hoch, dass die US-Notenbank Fed den Leitzins weiter erhöhen wird. Dies würde den US-Dollar weiter stärken. "Darüber hinaus spricht die Konjunkturlage für den Erwerb von Unternehmensanleihen mit kürzeren Laufzeiten, weil die Ausfallrisiken gering erscheinen", so der Portfoliomanager. In seinem Rentenfonds hat er sich entsprechend positioniert und setzt überwiegend auf Unternehmensanleihen guter Bonität.

Erfahrungsgemäß komme es bei einem Zinsanstieg auch immer mal zu kurzfristigen Gegenbewegungen, also zu steigenden Kursen für Anleihen mit langen Laufzeiten. "Trifft diese Erwartung zu, werden wir dies durch den kurzfristigen Kauf von Zins-Futures auf US-Staatsanleihen und deutsche Bundesanleihen ausnutzen", sagt Schorpp. (fp)