Der Kurssturz Anfang Februar hat den digitalen Vermögensverwaltern im Echtgeld-Test des Portals brokervergleich.de ordentlich zugesetzt. "Einige der getesteten Robo-Advisor hatten bisher kaum schwierigen Börsenphasen zu überstehen. Das hat sich nun geändert", so das Zwischenfazit des Vergleichsportals. 

Der Flash-Crash färbte die Performanceresultate der vollautomatischen Fondsmanager allesamt tiefrot. Am schlimmsten erwischte es den Marktführer Scalable Capital: Sein Test-Portfolio verlor bis zum Höhepunkt der Korrekturphase am 9. Februar satte 8,2 Prozent. Insgesamt tauchten vier der von Brokervergleich analysierten Testportfolios unter das Resultat des Vergleichsindex ab, der einem hälftig aus globalen Aktien und Anleihen zusammengesetzten Mischfonds entspricht. 

Am wackersten hielt sich noch die Sutor Bank mit 4,3 Prozent Minus. Genützt hat es auch ihr nichts, denn trotz der anschließenden Erholung erzielte das Sutor-Portfolio im Februar mit einem Minus von zwei Prozent  das zweitschlechteste Monatsergebnis, knapp vor Scalable Capital mit einem Minus von 2,4 Prozent.

Robos kochen auch nur mit Wasser
Für viele Robos im Test waren die Turbulenzen Anfang Februar die erste herausfordernde  Börsenphase, die sie zu überstehen hatten. Die Benchmark aus MSCI World und Barclays Aggregate verlor während des Flash-Crashs 4,7 Prozent. Die Portfolios entwickelten sich also im Mittel ungefähr so wie der breite Markt. Immerhin: In den Tagen nach dem Crash war bei allen Robos eine deutliche Erholung zu verzeichnen. Am deutlichsten berappelte sich das Portfolio von Scalable Capital, mit einem Plus von 3,6 Prozent. Die Monatsbilanz konnte das freilich nicht mehr retten. "Gewinner durfte sich im Februar kein Anbieter nennen", fassen die Brokervergleich-Profis zusammen.

Für die Zwölf-Monats-Wertung bedeutet der mäßige Februar, dass sich die Anzahl der Anbieter mit negativer Performance auf drei erhöht. Hier liegt die Sutor Bank beim Echtgeld-Test einmal mehr vorn. Mit einem Plus von zwei Prozent übertraf sie den Referenzindex aus jeweils 50 Prozent Aktien und Anleihen deutlich – als einziger der Teilnehmer. Auf den Plätzen zwei und drei liegen Ginmon und Whitebox mit 0,6 beziehungsweise 0,4 Prozent Plus. Fintego, Scalable Capital und Vaamo machten auf Zwölf-Monats-Sicht sogar Verluste. Hier macht sich nicht nur der turbulente Februar bemerkbar, sondern auch der verhagelte November vergangenen Jahres: In diesem Monat rutschten alle Test-Portfolios durch die Bank weg ins Minus.

Auffällig ist, dass keiner der Robo-Advisor spürbar auf den Februar-Flash-Crash reagiert hat, wie die Aktivitätsstatistik von Brokervergleich offenbart. Sechs der elf digitalen Vermögensverwaltungen machten im Februar überhaupt nichts, die übrigen fünf wiesen lediglich die üblichen Handelsaktivitäten auf. Nur bei zwei Robo-Advisors gab es messbare Umschichtungen im Portfolio. "Sowohl bei Whitebox als auch bei Growney waren die Bewegungen im Portfolio aber so gering, dass sie kaum als Reaktion auf den Kursrutsch gedeutet werden können", kommentiert Brokervergleich das Resultat. Immerhin kam es bei keinem Robo-Advisor zu Überreaktionen.

Scalable: Automatische Warnsysteme haben funktioniert
Als Beweis für das Versagen des prozessorgesteuerten Risikomanagements will Scalabe-Chef Erik Podzuweit die vermeintliche "Untätigkeit" nicht verstanden wissen: "Wir managen Risiken langfristig, reagieren ganz bewusst nicht hektisch auf Börsenlärm. Genau für das Aushalten solcher Schwankungen werden Anleger mit Rendite belohnt", erläutert er im Interview mit dem Vergleichsportal.

Eigene Anlagekunden hätten die Verlustphase einfach ausgesessen. "Unsere Kunden haben in der Korrektur gelassen reagiert. Wir hatten an keinem einzigen Tag Nettoabflüsse. Viele Kunden haben ihr Investment sogar aufgestockt", schildert Podzuweit.

Mitgefangen, mitgehangen
Ursache für den besonders bösen Absturz des eigenen Testportfolios sei die überdurchschittliche Aktienquote gewesen. "Wir haben derzeit einen deutlich höheren Aktienanteil in unserem dynamischen Portfolio, das für den Echtgeldtest verwendet wird, als die anderen Strategien", erklärt Podzuweit. Grund hierfür sei, dass Scalable die Gewichte der Anlageklassen je Strategie nicht konstant hält, sondern im Zeitablauf an die Risikosituation am Markt anpasst.

"Wir halten die hohe Gewichtung von Aktien auch im aktuellen Umfeld für eine gute Aufstellung und lagen vor dem Kurseinbruch im Januar mit 3,3 Prozent weit vor den Konkurrenten", so der Scalable-Gründer. Eine perfekte Verlustvermeidungsstrategie könne kein Algorithmus und kein Fondsmanager liefern. 

Durchhaltevermögen zählt
Emotionale, panikartige Verkäufe kosteten nicht nur Handelsgebühren, sie schadeten vor allem auch der Rendite. "Letztlich kommt das einer Stop-Loss Strategie gleich, die für den langfristigen Anlageerfolg nachweislich nachteilig ist", erklärt der Scalable-Topmanager. Anleger realisierten so Verluste und verpassten durch den Ausstieg die Chance, am Aufschwung zu partizipieren, erklärt Podzuweit und fügt augenzwinkernd hinzu: "Beim Fussball verlässt man ja auch nicht den Platz, sobald man mal ein Tor hinten liegt. So ließe sich keine Saison gewinnen." (fp/ps)


Über den Roboberater-Test von Brokervergleich:
Robo-Advisor sind digitale Geldanlagelösungen, die mit größtenteils automatisierten Prozessen sowie Algorithmen die Auswahl des für den Anleger am besten geeigneten Portfolios übernehmen und meist auch dessen laufende Entwicklung überwachen sowie erforderliche Anpassungen vornehmen. Um herauszufinden, welcher Roboberater hält, was er verspricht, startete das Internetportal Brokervergleich.de am 1. Mai 2015 einen ersten Selbstversuch: Um die Performance diverser Robo-Berater zu vergleichen, investierte der Portal-Betreiber echtes Geld in sechs verschiedene "Maschinen-Portfolios", wobei aus dem Sortiment der einzelnen Wettbewerber eines für Anleger mit mittlerer Risikoneigung gewählt wurde.

Monatlich berechnet Brokervergleich.de die Renditeentwicklung, als Benchmark dient eine hälftige Kombination aus den Aktienindizes MSCI World und Barclays Aggregate Bonds. Seit Mai 2016 läuft die zweite Anlagephase, die dritte startete im Mai 2017.