Die Inflation könnte sich in diesem Jahr als "Game Changer" erweisen, wenn sie sich infolge eines schwächeren US-Dollars oder höherer Lohninflation beschleunigen sollte. Das sagt Yves Longchamp, Chefanalyst der Fondsgesellschaft Ethenea.

Derzeit tendiere die Inflation nach oben und könnte im ersten Quartal 2017 noch weiter steigen. "Inflation ist allerdings eine komplexe Angelegenheit, deren Entwicklung als Ganzes schwierig zu deuten ist", sagt Longchamp. Das sei der Hauptgrund dafür, dass die Zentralbanken die Kerninflation ins Leben gerufen haben: Diese Größe misst die zugrunde liegende Teuerung und berücksichtigt keine Preissteigerungen für Rohöl und Lebensmittel. 

Gemäß dieser Messgröße ist das Risiko, wonach die Inflation ihren Zielwert überschießen könnte, allerdings begrenzt, sagt Longchamp: "Die jüngsten Inflationsprognosen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Fed gehen von einer Teuerungsrate von 1,7 bis zwei Prozent im Jahr 2019 aus." Daher gebe es auch keinen Anlass, sich übereilt von der extrem lockeren Geldpolitik zu verabschieden. Es gelte jedoch, die Inflationsentwicklung ganz genau im Auge zu behalten.

Anfang vom Ende der lockeren Geldpolitik
Angesichts der steigenden Inflation sei das Wort "Deflation" offenbar aus dem Vokabular der Zentralbanken verschwunden, sagt Longchamp. Dieser Rhetorikwechsel der Notenbanken könnte seiner Ansicht nach den Anfang vom Ende einer extrem lockeren Geldpolitik bedeuten, "welche lächerlich niedrige Zinsen mit Liquiditätsspritzen kombiniert".

Mit Ausnahme von Japan könnte dadurch allmählich eine Normalisierung der Geldpolitik Einzug halten, erwartet er. Das Tempo dieser Normalisierung werde einerseits von der Wachstumsverlangsamung und andererseits von der Inflationsbeschleunigung abhängen. (fp)