Die Europäische Union greift in ihrem Kampf gegen Steuerflucht zu schärferen Waffen. Steuerberater, Anwälte, Wirtschaftsprüfer und Bankberater sollen gesetzlich dazu verpflichtet werden, alle "potenziell aggressiven" Steuersparmodelle ihrer Kunden sowie deren Namen an die nationalen Behörden zu melden, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Die so gewonnenen Informationen sollen in den grenzüberschreitenden Informationsaustausch der Behörden einfließen. Kommen Berater ihrer Anzeigepflicht nicht nach, drohen ihnen Sanktionen.

Die EU-Finanzminister beschlossen am Dienstag eine entsprechende Richtlinie. Die neue Anzeigepflicht gilt nur für grenzüberschreitende Steuerspartricks, sie soll im Juli 2020 in Kraft treten. In Deutschland wollen die Finanzminister der Länder aber auch nationale Steuersparpraktiken einer Meldepflicht unterwerfen. Weil Angehörige der betroffenen Berufsgruppen keine Informationen über ihre Kunden an Dritte weitergeben dürfen, soll die Pflicht zur Anzeige von Steuersparmodellen laut "Handelsblatt" in Deutschland für die Steuerzahler selbst gelten.

Schwarze Liste aktualisiert
Die Finanzminister aktualisierten am Dienstag auch ihre Liste der widerspenstigen Steueroasen. Drei Länder – Bahrain, die Marshall-Inseln und Santa Lucia – wurden gestrichen, drei andere hinzugefügt. Neu auf der Liste sind die Bahamas, die US-Jungferninseln sowie der Karibikstaat Saint Kitts und Nevis. Insgesamt stehen neun Staaten auf der schwarzen Liste.

Sie reagierten auf Bitten der EU um steuerpolitische Zusammenarbeit entweder ablehnend oder gar nicht. Hinzu kommen 62 Länder auf der sogenannten grauen Liste: Diese haben zwar Kooperationsbereitschaft signalisiert, ihr Steuerrecht aber bislang nicht entsprechend angepasst. (fp)