Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins nach ihrer jüngsten Sitzung um 0,25 Prozentpunkte erhöht und weitere Schritte nach oben in Aussicht gestellt. Diese Entscheidung sei nicht überraschend gekommen, erklärt Martin Moryson, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim. "Die Fed hatte die Märkte bereits lange und unmissverständlich auf diesen Schritt vorbereitet", sagt Moryson. Insofern sei die Zinserhöhung eine "ausgemachte Sache" gewesen.

Offensichtlich sehe die US-Notenbank die schwache Inflationsentwicklung in den USA als kurzfristiges Problem an und messe ihr nur eine geringe Bedeutung bei. "Dafür spricht, dass sie zwar die Inflationsprojektionen für dieses Jahr nach unten angepasst, die Projektionen für die beiden kommenden Jahre dagegen unverändert gelassen hat", erklärt der Ökonom.

Drei Zinsschritte für 2018 erwartet
Mit ihrem sehr behutsamen Vorgehen wolle die Fed vermeiden, dass die US-Wirtschaft ihre Erholung unterbricht. Letztlich dürfe es der US-Notenbank leichter fallen, eine überschießende Inflation mit Zinserhöhungen einzufangen, als eine Rezession mit Leitzinssenkungen abzuwenden. "Die Geldpolitik der Fed ist also immer noch akkommodierend", sagt Moryson. Rudolf Besch, Volkswirt der Deka Bank, erwartet den letzten Zinsschritt der Fed in diesem Jahr im September. Darüber hinaus rechnet er im Jahr 2018 mit drei weiteren Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte. 

Die Zinsentscheidung der Fed sei ein "richtiges Signal", heißt es beim Bundesverband Deutscher: "Die Fed attestiert der US-Wirtschaft damit eine weiterhin gute Verfassung", sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. Die etwas schwächeren US-Konjunkturdaten für das erste Quartal 2017 seien offenkundig auf statistische Verzerrungen zurückzuführen, die auch schon in den Vorjahren die Daten zum Jahresbeginn künstlich gedrückt hätten. Entscheidend sei, dass sich der Arbeitsmarkt in den USA weiterhin nahe der Vollbeschäftigung befinde. Zudem habe sich die Preisentwicklung zumindest stabilisiert: "Vor diesem Hintergrund ist der eingeschlagene Kurs der vorsichtigen Normalisierung in jeder Hinsicht angemessen."

Straffere Geldpolitk in Großbritannien eventuell noch 2017
Bei der englischen Notenbank verschieben sich währenddessen die Kräfteverhältnisse in Richtung einer strafferen Geldpolitik: Bei der gestrigen Zinssitzung stimmten mit Kristin Forbes, Ian McCafferty und Michael Saunders drei der acht Währungshüter für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte. "Damit signalisiert das Monetary Policy Committee nun nicht nur eine bloße Tendenz in Richtung einer möglichen geldpolitischen Straffung, sondern stellt allmählich eine tatsächliche Straffung noch in diesem Jahr in Aussicht", sagt Michael Metcalfe, Leiter der Abteilung Macro Strategy beim Fondsanbieter State Street.

Überraschend sei die Tatsache, dass sich die Bank of England (BoE) durch die erneuten politischen Unsicherheiten nach der Wahl nicht von ihrer aggressiven Ausrichtung habe abbringen lassen. Dabei würden sich die Auswirkungen der Brexit-Verhandlungen auf die Konjunktur erst in den kommenden Monaten zeigen. (fp)