Das italienische Banksystem steht noch immer auf wackeligen Beinen. Das Schlimmste scheint zwar überstanden: Dank der allmählichen Konjunkturerholung ist der stete Strom an neuen faulen Krediten versiegt. Aber die Altlasten wiegen schwer, warnt Alberto Chiandetti, Manager des Fidelity Italy Fund. "Als größtes Versäumnis erweist es sich nun, dass Italien auf die Schaffung einer Bad Bank verzichtet hat", sagt er. Anfang dieses Jahres verstaatliche die italienische Regierung die Krisenbank Monte dei Paschi und verringerte damit das systemische Risiko. Die Probleme der beiden Regionalbanken Veneto und Vicenza sind indes ungelöst.

Italiens Banken sind nach wie vor unfähig, hohe Renditen zu generieren, während die von der Europäischen Zentralbank (EZB) bereitgestellte Liquidität den Wettbewerb unter den Instituten anheizt. "So kommt es, dass die Kreditnachfrage zwar steigt, aber nicht genug, um den von den niedrigen Zinsen ausgehenden Druck auf die Margen wettzumachen", erklärt Chiandetti. Erschwerend kommt hinzu, dass das italienische Bankensystem noch immer stark zersplittert ist. Auch das steht einer höheren Profitabilität entgegen.

Schlechte Aussichten für kleine Sparkassen
Die meisten Institute haben ihre Kosten mittlerweile rigoros gesenkt. "Aber nur solche mit sauberen Bilanzen werden ihre Kreditvergabe ankurbeln und damit höhere Renditen generieren können", sagt der Fidelity-Fondsmanager. "Nach unserer Einschätzung wird dieses Potenzial bei einigen Banken unterschätzt." Besonders schlecht schätzt Fidelity die Aussichten für die kleineren Sparkassen ein. Diese leiden nach wie vor unter der Last ihrer notleidenden Kredite. Das zwingt sie zu höheren Rückstellungen und schmälert ihre Gewinne.(fp)