Die seit 2014 andauernde Talfahrt der Rohstoffpreise endete 2016, im März konnte man damals in dieser Rubrik die Schlagzeile "Fulminanter Turnaround bei Rohstoffen" lesen. Vor allem von einer Trendwende bei den Rohölpreisen gestützt legte der gesamte Sektor, den in den FIAP-Indizes in Gestalt von mehr als 70 Fonds enthalten ist, damals innerhalb eines Monats mehr als 18 Prozent zu. Das war es dann allerdings auch schon wieder.

Wer die Hoffnung hegte, dass sich die Rohstoffindizes wieder in alte Sphären erheben würden, wurde – bisher – enttäuscht. Der Bloomberg-Commodity-Index konnte sich von den Werten, die im Frühjahr 2016 erreicht wurden, nicht nennenswert wegbewegen. Im April kam aber nun doch etwas Leben in die Rohwarenpreise. Der Treiber war dabei das Rohöl: Wie das Fondsbarometer zeigt, legten Fonds, die der Sparte "Energie" zugerechnet werden, binnen Monatsfrist mehr als neun Prozent zu. Breiter aufgestellte Rohstoff-Fonds profitierten davon ebenfalls und brachten es auf einen Gewinn von 6,7 Prozent. Edelmetalle zählten zwar zu den zehn Bestperformern des Vormonats, konnten allerdings nur 3,4 Prozent an Wert zulegen.

Goldman Sachs sieht Einstiegschance
Manche Analysen sehen derzeit einen günstigen Einstiegszeitpunkt in die Sparte. Das zentrale Argument: einer weltweit steigenden Rohstoffnachfrage steht ein nur langsam wachsendes Angebot gegenüber, weil die tiefen Preise der letzten Jahre Investitionen verhindert haben. Das US-Investmenthaus Goldman Sachs sorgte vor wenigen Tagen für Aufsehen, weil es in einer aktuellen Analyse zu dem Schluss gelangt, dass ein Einstieg derzeit sehr erfolgsversprechend sei. Dass Rohstoffe Aktien in diesem Jahr ertragsseitig schon um acht Prozent geschlagen haben, wird als Beginn eines neuen Höhenflugs gewertet.  

Britische Aktien: Kursgewinne dank Konjunkturschwäche
Dass der Brexit für alle Beteiligten äußerst unerfreulich ist, wird seit der Entscheidung der Briten im Sommer 2016 immer wieder beklagt. Anleger, die in britische Unternehmen investiert sind, haben davon bisher aber vergleichsweise wenig mitbekommen. Seit Sommer 2016 entwickelte sich der britische Leitindex FTSE 100 fast exakt gleich wie der Eurostoxx 50.

Die letzten Wochen sahen aber deutlich mehr Nachfrage nach britischen Aktien. Das ist insofern bemerkenswert als Aktienfonds, die in britische Werte investiert von den Privatanlegern zuletzt tendenziell verkauft wurden. Branchendaten zeigen, dass UK-Aktienfonds im März Abflüsse in Höhe von 466 Millionen Pfund erlitten. Es müssen daher tendenziell institutionelle Anleger und Ausländer sein, die in London einsteigen. Interessant ist auch das – von britischen Fachleuten – vermutete Motiv dieser Käufer.

Weil die jüngsten Konjunkturdaten überraschend schwach ausfielen und die Inflationsrate derzeit fällt, gehen die Anleger davon aus, dass es vorläufig zu keinen Zinsanhebungen durch die Bank of England kommt. Ebenfalls kursstützend wirkten Spekulationen, dass es den Briten doch gelingt, mit der EU, die sie am 29. März 2019 verlassen wird, einen attraktiven Deal auszuhandeln.Zwei Dinge sprechen derzeitig für britische Dividendenwerte: erstens lag die Dividendenrendite 2017 im Schnitt bei rund vier Prozent – und zweitens sind sie trotz der jüngsten Kursavancen nach wie vor unpopulär – ein überraschend guter Brexit-Deal mit der EU könnte das nachhaltig ändern.

Indien löst China ab
2017 waren es vor allem südostasiatische Regionenfonds, die die besten Erträge einbrachten. In den letzten Monaten hat sich das geändert – Fonds mit dem Bezeichnung "China", "Großchina" und auch "Taiwan" zählten zu den schlechtesten Investments seit Jahresbeginn, auch im April blieben sie hinter den meisten anderen Branchen und Regionen zurück. Dasselbe gilt für Russland, was angesichts anhaltenden politischen Spannungen auch nicht überrascht. Auffällig gut entwickelten sich hingegen Indien-Fonds im April, mit mehr als vier Prozent Wertzuwachs beendeten sie den Monat auf Rang 5. Der SENSEX-30-Index der Börse Mumbai hat sich seit dem Turnaround des Jahres 2009 übrigens in etwa so entwickelt wie der DAX, beide Märkte haben seitdem in etwa 100 Prozent zugelegt, wobei die Volatilität indischer Aktien höher war.   

Schwach: Biotechnologie und Technologie
Am unteren Ende der Monatsstatistik finden sich Anfang Mai zwei Branchen, die im Zehn-Jahres-Rückblick zu den Siegern zählen. Fonds, die in die Sparten Biotech und Technology investieren, führen das Ranking über zehn Jahre immer noch an. Allerdings liegen die Kursgewinne bei Biotechnologie schon etliche Jahre zurück – der NASDAQ-Biotech-Index erreichte seinen Höchstwert Mitte 2015, seit 2016 steigt der Index zwar wieder, die alten Rekorde sind aber noch weit entfern

Auch die Technologiebranche war seit dem Crash des Jahres 2008 extrem lukrativ, wobei sie anders als Biotech bis zuletzt weiter zulegen konnte. Schon längst wird hier von einer Blasenbildung gesprochen, die vor allem Titel wie Apple, Amazon oder Netflix erfasst haben soll, bisher erwiesen sich aber alle Absturz-Prognosen für die FAANG-Aktien als verfrüht. Und auch die jüngsten Ergebnisdaten dieser Unternehmen deuten nicht auf ein baldiges Ende ihres Höhenflugs hin. (gf)


Über das FONDS-professionell Fondsbarometer
FONDS professionell bringt seit Juli 2014 monatlich das FONDS professionell Fondsbarometer – eine Performanceübersicht der FIAP-Aktienfonds-Indizes gereiht nach ihrer Monatsperformance. Daraus wird ersichtlich, welche Fonds gerade "Rückenwind" haben und welche unter Kursverlusten leiden. Damit daraus eine brauchbare Information wird, zeigt die Darstellung auch, wie diese Fondskategorien (Länder, Regionen, Branchen und Themen) über andere Zeiträume abgeschnitten haben – 1 Monat, 3 Monate, 6 Monate, 1 Jahr, 3 Jahre sowie über 5 und 10 Jahre. Die jeweils zehn stärksten und zehn schwächsten Ergebnisse sind farblich hervorgehoben.
Das nächste Fondsbarometer erscheint Anfang Juni.