Je länger es in Deutschland keine handlungsfähige Regierung gibt, desto größer ist das Risiko für die Kapitalmärkte, erklärt die Fürstlich Castell’sche Bank. Momentan wirkt die Hängepartie in Berlin sich zwar noch nicht an den Börsen aus. "Dennoch merken wir, dass die starke finanz- und wirtschaftspolitische Achse zwischen Frankreich und Deutschland fehlt", sagt Sebastian Klein, Vorstandsvorsitzender der Fürstlich Castell’schen Bank.

Die gesamte Europäische Union (EU) und insbesondere die Eurozone befinde sich durch das gefesselte Deutschland in einem Handlungsvakuum. "Viele europäische Finanzthemen sind in den vergangenen drei Monaten nicht entschieden worden", sagt Klein. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat umfangreiche Vorschläge für eine Reform Europas gemacht. "Gerade die für die Kapitalmärkte entscheidenden wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen für den Euroraum sind dringlich", mahnt Klein.

Gescheiterte Jamaika-Gespräche schaden finanzpolitischer Achse 
Für eine stabile finanzpolitische Achse zwischen Deutschland und Frankreich sei das Scheitern der Jamaika-Sondierung nach dem langen Zeitraum von fast zwei Monaten schädlich gewesen, so der Bank-Chef. Inzwischen liegen die Ergebnisse der Sondierungsgespräche für eine Große Koalition auf dem Tisch. Die beteiligten Parteien wollen unter anderem den Kampf gegen Steuerbetrug und aggressive Steuervermeidung vorantreiben. "Deutschland braucht zeitnah eine handlungsstarke Regierung, die genau diese Themen im Interesse belastbarer Kapitalmärkte umsetzt", sagt Klein. (fp)