Investoren sollten auch in den nächsten Monaten die geldpolitischen Entscheidungen der Notenbanken in den USA und Europa im Auge behalten, empfiehlt der Fondsanbieter GAM. "Die deutsche Bundestagswahl dürfte dagegen wenig oder gar keinen Einfluss auf deutsche Staatsanleihen haben", sagt Tim Haywood, Investment Director für festverzinsliche Absolute-Return-Strategien bei GAM. Treiber für den Staatsanleihemarkt sei nicht der deutsche Bundeskanzler, sondern der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). "Die Zinspolitik und die Anleihekaufprogramme von Mario Draghi sind in dieser Hinsicht wesentlich wichtiger", sagt Haywood.

Das wirtschaftliche Umfeld in Europa verbessert sich weiter, allerdings hat die jüngste Währungsaufwertung überraschend geringe Auswirkungen auf die Inflation. "Die Entscheidung von EZB-Präsident Mario Draghi, die Anpassung des quantitativen Lockerungsprogramms aufzuschieben, verschafft dem Zentralbankrat wertvolle Zeit, die Veränderungen des wirtschaftlichen Umfelds zu analysieren", sagt Haywood. Die US-Notenbank Fed hat hingegen zuletzt kaum Hinweise auf ihre künftige geldpolitische Ausrichtung gegeben. Der Stratege sieht jedoch Spielraum für einen Aufschub weiterer Zinserhöhungen auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr 2018. 

Investmentchancen in Schwellenländern
Indes müssen Investoren sich nicht nur auf die USA und Europa konzentrieren. Haywood sieht auch in Schwellenländern Anlagechancen – etwa in renditestärkeren Lokalwährungsanleihen. "Diese erscheinen im Vergleich zu ihren Pendants in Industriestaaten attraktiv", erklärt Haywood. Die Titel dürften von einer anhaltend hohen Nachfrage im kommenden Jahr profitieren, erwartet er. Darüber hinaus lässt die Inflation in den Schwellenländern nach. Somit können die Zentralbanken damit beginnen, die Geldpolitik schneller zu lockern oder wenigstens die Straffung zu beenden. "Das käme Anleiheinvestoren natürlich zugute", sagt Haywood. (fp)