Marktteilnehmer aus aller Welt blicken heute gespannt in die USA, wo der Fed-Offenmarktausschuss (FOMC) tagt. "Die große Mehrheit der Anleger erwartet eine weitere Zinserhöhung der Fed um einen Viertelprozentpunkt", sagt Larry Hatheway, Chefökonom beim Fondsanbieter GAM. Doch das ist seiner Meinung nach nicht das Hauptinteresse der Beobachter. Vielmehr erwarten sie Ausblicke auf die geplante Geldpolitik: "Die Anleger interessiert weniger, was die Fed tut, sondern eher, was sie sagt." 

Für die Fed werde es schwieriger, mit Zuversicht zu sagen, was sie in den nächsten sechs Monaten unternehmen wird, geschweige denn in der Zeit danach, ist sich der GAM-Chefökonom sicher. Klare Aussagen erwartet er heute nicht – und auch Informationen zu mittelfristigen Zinserhöhungen würden wohl schwammig ausfallen. Seiner Meinung nach wäre es jedoch falsch, das als Kurswende hin zu einer moderaten Politik zu deuten. "Die Anleger sollten dies eher als natürlichen Fortgang des geldpolitischen Zyklus betrachten", sagt er. 

Zentralbanken sorgen für Ungewissheit
Die US-Wirtschaft wächst weiterhin über dem Trend, die Schaffung von Arbeitsplätzen liegt deutlich über der natürlichen Wachstumsrate, und zudem bleiben die finanziellen Bedingungen locker, wie der starke Anstieg am US-Aktienmarkt verdeutlicht. Laut Hatheway sind das Gründe, warum sich der FOMC kommunikativ zurückhalten wird: "Eine offene und klare Kommunikation ist einfacher und nützlicher, je weiter die Wirtschaft von ihrem Gleichgewicht entfernt ist." 

Nach einer Reihe von Zinserhöhungen wird die Fed wohl in eine neutrale Zone eintreten, in der die Geldpolitik weder expansiv noch restriktiv ist, erwartet Hatheway. "Da die Inflation im Bereich der Zielvorgabe liegt, aber nicht überzeugend zulegt, könnte sich der FOMC mit klaren Aussagen zu weiteren Zinserhöhungen zurückhalten", so Hatheway. Ein zunehmender Protektionismus könnte das Wachstum durch einen schwächeren internationalen Handel gefährden. Außerdem könnte er potenziell auch das Unternehmens- und Verbrauchervertrauen schädigen. Der GAM-Chefökonom gibt deshalb zu bedenken: "Bald werden wir in die Phase der geldpolitischen Ungewissheit eintreten. Wir sollten uns schon einmal daran gewöhnen." (fp)