Das größte Risiko für die Konjunktur und die Märkte bleibt die Inflation. Davon ist Larry Hatheway überzeugt, Chefvolkswirt bei GAM. "Sollte die Inflation in den USA, Westeuropa oder Japan deutlich und unerwartet steigen, würde das die Erwartungen an die Geldpolitik verändern und sowohl die Zinssätze als auch die Risikoprämien in die Höhe treiben", erklärt er. Die Folgen: Marktrückschläge und ein schwächeres Wachstum.

Bislang präsentierte sich Anlegern im laufenden Jahr ein gemischtes Bild. Der starken Performance des US-Aktienmarktes, die vom IT-Sektor gestützt wurde, stand eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung von Aktien, Währungen und Anleihen aus den Schwellenländern gegenüber. "Auch Europa ist ins Stolpern geraten", so Hathaway. Hinter den Performance-Unterschieden steckt zum Teil die Zurückhaltung vieler Anleger nach dem turbulenten ersten Quartal. Aber auch der starke US-Dollar, der die Schwellenländer unter Druck setzt, spielt eine Rolle.

Kein Herausforderer für die Vereinigten Staaten
Damit andere Märkte die USA als Shooting Star ablösen, müssten sich die Fundamentaldaten verändern. "Zudem muss der Glaube der Anleger wiederhergestellt werden, dass Wachstum auch außerhalb der USA möglich ist", sagt der Ökonom. "Europa und die Schwellenländer müssten beweisen, dass sie überzeugendere gesamtwirtschaftliche Perspektiven zu bieten haben." Das ist bislang nicht der Fall.

Schließlich müssten auch die geopolitischen Spannungen nachlassen und die Handelskonflikte beigelegt werden. Eine solche Entwicklung ist ebenfalls nicht in Sicht. Stattdessen wächst die Angst vor einer weiteren Eskalation. "Es besteht die Gefahr, dass die Handelskonflikte den Optimismus der Unternehmen untergraben und dadurch die Investitionsausgaben und die Beschäftigung dämpfen", warnt Hathaway. (fp)