Frankfurt entwickelt dieser Tage eine ganz besondere Art der Willkommenskultur: Stadtväter, Immobilienmakler und Banker freuen sich auf Flüchtlinge, die der Brexit-Entscheid aller Voraussicht nach in Scharen an den Main treiben wird. Mehrere Geldinstitute haben in den zurückliegenden Wochen bereits konkrete Umzugspläne verkündet.

Die US-Investment Bank Goldman Sachs geht noch einen Schritt weiter: Medienberichten zufolge will der Wall-Street-Riese die Zahl seiner Mitarbeiter in der Mainmetropole von 200 auf bis zu 800 Stellen vervierfachen. "Wir haben bereits mehrmals gesagt, dass wir unsere Belegschaft in Frankfurt verdoppeln wollen, nun gibt es mehrere Szenarien, die dafür sprechen, die Anzahl zu verdrei- oder zu vervierfachen", sagte Wolfgang Fink, Vize-Deutschlandchef der US-Bank, auf einer Branchentagung in Frankfurt, berichtet Bloomberg. Laut der Nachrichtenagentur sucht die US-Investmentbank bereits nach neuen Bürogebäuden, um die Mitarbeiter unterzubringen, die derzeit noch ein wenig außerhalb des Finanzzentrums in den obersten Stockwerke des Messeturms ihre Büros haben.

Neben Goldman Sachs planen andere US-Geldgiganten wie die Citigroup, JP Morgan, Morgan Stanley und UBS ebenfalls, Hunderte Arbeitsplätze nach Frankfurt zu verlagern. Auch die drei japanischen Banken Daiwa Securities, Nomura und Sumitomo Mitsui zieht es nach Hessen. Und auch die Deutsche Bank, deren Vorstandschef John Cryan Frankfurt unlängst zum größten Brexit-Nutznießer erkor, wird voraussichtlich Tausende Arbeitsplätze aus London in die deutsche Finanzmetropole verlegen. Der Banken-Lobbyverband Frankfurt Main Finance rechnet insgesamt mit 10.000 neuen Jobs in Frankfurts Finanzsektor. (Bloomberg/ps)