Geldautomaten sind aus dem Straßenbild deutscher Städte und Gemeinden gar nicht mehr wegzudenken, schließlich stehen sie quasi an jeder Ecke. Aber: Nachdem die Banken über Jahrzehnte hinweg jährlich mehrere Tausend neue Geräte aufstellten, sinkt ihre Zahl in jüngster Zeit stetig. Abgebaut werden sie vor allem, weil es nicht gerade billig ist, die Automaten zu betreiben. Dies berichtet das Magazin "Der Spiegel".

"Wir haben die Daumenregel, dass das Betreiben eines Geldautomaten in etwa zwischen 20.000 und 25.000 Euro (im Jahr) kostet", erklärt Jürgen Gros, Chef des Bayerischen Genossenschaftsverbands, zu dem die Volks- und Raiffeisenbanken gehören, dem Magazin. Diese Summen müssten erst einmal verdient werden. Es sei kein Geschäftsmodell, auf die Dauer Geld zuzuschießen.

Zahl der Automaten seit 2015 rückläufig
Wie "Der Spiegel" recherchiert hat, wurde der erste deutsche Geldautomat 1968 in Tübingen installiert. 1994 waren bundesweit 29.400 Automaten in Betrieb, 2015 waren es 61.100. Seitdem werden immer mehr der praktischen Stahlkästen abgebaut. Ende 2017 lag die Zahl  bei rund 58.000.

Neben den reinen Betriebskosten seien auch Anschläge auf Geldautomaten ein Grund dafür, dass Banken die Geräte abbauten, sagt ein Sprecher der Deutschen Kreditwirtschaft in Berlin dem "Spiegel". Die Wiederinstandsetzung zerstörter Automaten treibe die Kosten in die Höhe und lasse die Versicherungsprämien steigen.

In Zukunft nur noch per Handy?
Trotz der sinkenden Automatenzahl gebe es auch künftig ausreichend Gelegenheit, Geld abzuheben, schreibt "Der Spiegel". Immerhin böten Geschäfte und Supermarktbetreiber zunehmend die Abhebe-Funktion an der Kasse an. Der Münchner Bezahldienstleister Wirecard sei davon überzeugt, in absehbarer Zukunft werde ohnehin nur noch per Handy respektive Smartphone gezahlt. Für Einzelhändler bringen Bargeldzahlungen schließlich Kosten, schon allein deswegen, weil die Einnahmen zur Bank transportiert werden müssen.

Ganz verschwinden würden die Automaten nach Einschätzung der Banken in absehbarer Zeit zwar nicht, schreibt "Der Spiegel". Die Branche erwarte aber einen weiteren Rückgang in den kommenden Jahren. "Die deutsche Kreditwirtschaft geht davon aus, dass die Zahl der Geldautomaten in den kommenden Jahren weiterhin leicht rückläufig sein wird", sagt der Sprecher dem Magazin. (am)