Die teils raktenartigen Preisanstiege bei Wohnimmobilien könnten nach rund sieben Jahren bald zum Erliegen kommen. Das ist das Ergebnis eines Expertengesprächs von Engel & Völkers Investment Consulting zum Thema "Wohnimmobilien – die alternativlose Assetklasse?", der auf der Expo Real in München stattfand. Dabei diskutierten sieben Vertreter der Branche die Investitionsstrategien institutioneller Anleger auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt. Die Experten prognostizierten ein baldiges Ende der langen Preisrally, erwarten aber keine starken Preiskorrekturen.

Ein weiteres Ergebnis des Talks: Aufgrund der hohen Preise im Ankauf weichen viele Investoren inzwischen auf andere Investitionsmöglichkeiten aus, etwa auf Bestandsimmobilien. "Jeder Investor weiß um die jüngste Preisentwicklung am deutschen Wohnimmobilienmarkt", sagt Thomas Meyer, Vorstandschef der Wertgrund und einer der Teilnehmer des Expertentalks. "Weil ein Ende des starken Aufwärtstrends zunehmend wahrscheinlich wird, ist es gerade für institutionelle Akteure wirtschaftlich ratsam, voll entwickelte Objekte zu veräußern." Mit dem Verkauf von Bestandsimmobilien würden sich derzeit noch überdurchschnittliche Erlöse erzielen lassen, sagt Meyer.

Investoren erschließen sich neue Betätigungsfelder
Beim Gespräch wurde auch deutlich: Neben etablierten Assetklassen wie Wohn- oder Büroimmobilien entdecken institutionelle Investoren im Immobiliensektor vermehrt neue Anlagemöglichkeiten, beispielsweise die Finanzierung von Projektentwicklungen. "Daneben treten Investoren zunehmend auch als alternative Fremdkapitalgeber auf. Das erhöht die ohnehin hohe Wettbewerbsintensität", sagt Francesco Fedele, Vorstand von BF direkt. 

Thomas Hegel, Vorstandsvorsitzender der LEG Immobilien, beobachtet, dass die bislang oft genutzte Ausweichmethode, statt in A-Städte in B-Städte zu investieren, an ihre Grenzen stößt. "Wir stellen vermehrt fest, dass insbesondere in den vergangenen Jahren die Preisdynamik in B-Städten zugenommen hat", sagt Hegel. Kaufpreisfaktoren von 20 und mehr, wie man sie bislang von den Metropolen kannten, seien heute auch an diesen Standorten keine Seltenheit mehr. Der Markt läuft also auch abseits der Metropolen heiß. (fp)