Inflation ist schwer zu fassen, weil sie sich aus mehreren Faktoren speist. Je nachdem, wo sie zu Tage tritt, ist sie zudem unterschiedlich dramatisch, sagt Hubert Thaler von der TOP Vermögen AG in Starnberg. Kaum beunruhigend ist eine importierte Inflation, etwa durch einen Ölpreisschock. Sie geht meist schnell wieder zurück. Schwieriger ist es da schon mit der "hausgemachten" Inflation innerhalb einer Volkswirtschaft, erklärt Thaler.

Wichtigste Komponente für die Inflationsdynamik innerhalb von Landesgrenzen sind Lohnverhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. "Eigentlich sollten die Arbeitnehmer in der aktuellen Wirtschaftsphase ordentliche Lohnerhöhungen durchsetzen können", urteilt der Vermögensprofi. "Der Arbeitsmarkt scheint wie leergefegt." Allerdings verzichten viele Unternehmen offenbar bewusst auf Wachstum, statt um jeden Preis neue Mitarbeiter zu gewinnen. "Auch die Digitalisierung wirkt sicher preisdämpfend", so Thaler.

Inflation ist jetzt fast immer Vermögenspreisinflation
Trotzdem könnte die Inflation anziehen, und zwar durch Immobilienkredite. Viele Banken vergeben seit der Finanzkrise ungern riskante Kredite – außer für besicherte Darlehen, vor allem im Immobilienmarkt. "Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass der Immobilienmarkt seit Jahren mit den höchsten Anteil zur Inflation beiträgt", sagt Thaler. "Die Inflation ist bereits seit mehreren Jahren vor allem als Vermögenspreisinflation im Immobiliensektor anzutreffen." Möglich, dass noch ein bisschen zyklische Inflation durch Lohnsteigerungen hinzukommt. "Eine Inflationswelle ist das aber nicht", sagt der Anlageprofi. (fp)