Der einstige Hedgefondsmanager Jim Rogers ruft eine Rückkehr der Rohstoff-Ära aus. Eingedenk steigender Zinsen, der sich eintrübenden Konjunkturperspektiven und einer immensen Verschuldung der Staaten sieht er eine Wende "von Papierwerten hin zu realen Werten". So rechnet er mit einem Wiederaufstieg der Grundgüterpreise, die seit einigen Jahren auf niedrigen Niveaus schwanken.

"Gold und Silber verharrten sieben Jahre in einer Korrektur. Die Zeit für eine Rückkehr ist reif", sagte Jim Rogers bei einer Investorenkonferenz von China Post Global. "Ich kaufe aber erst hinzu, wenn der Goldpreis unter die Marke von 1.000 Dollar fällt. Dann decke ich mich aber richtig ein", verriet Rogers. "Und selbst wenn der Kurs nicht unter diese Marke fallen sollte, besitze ich immer noch genug Gold, um von steigenden Kursen zu profitieren."

"Anhaltende Depression"
Der chinesische Asset Manager China Post Global hatte 2016 das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds der Royal Bank of Scotland (RBS) übernommen. Die ETF-Sparte der Schotten firmiert als Market Access und hat sich auf Schwellenländer- und Rohstoffprodukte spezialisiert. Darunter sind auch Fonds zu finden, welche die Wertentwicklung der von Rogers entworfenen Rohstoff-Barometer widerspiegeln.

Die größten Kurszuwächse billigt Rogers im Jahr 2019 aber Agrarrohstoffen zu. "Dieser Bereich litt lange unter einer regelrechten Depression", sagte Rogers in der Telefonkonferenz. Als Grund für die anhaltend niedrigen Preise nannte der Rohstoff-Experte den technologischen Fortschritt, der die Landwirtschaft billiger und damit effizienter gemacht habe.

Bullenmarkt auch bei geringer Nachfrage
Aber auch bei Industriemetallen stünden trotz der eingetrübten Konjunkturlage die Zeichen auf Hausse. "Auch bei geringerer Nachfrage kann es zu einem Bullenmarkt kommen, nämlich wenn das Angebot zurückgeht", erläuterte Rogers. Dies sei bei Agrargütern wie bei Industriemetallen gleichermaßen der Fall. Die niedrigen Preise hätten zu geringeren Investitionen geführt, die Exploration neuer Lagerstätten sei praktisch zum Erliegen gekommen.

Allerdings sollten Anleger nicht allzu viel auf seine Meinung setzen, schob Rogers kokett hinterher. "Denn ich bin der wohl schlechteste Market-Timer, den es auf der Welt gibt." Der Hedgefondsmanager hatte zusammen mit Georg Soros Ende der 1960er Jahre den legendären Quantum Fund gegründet. In den 1980er Jahren zog er sich aus dem Management zurück, umrundete mehrmals die Welt, einmal per Motorrad, und schrieb Bücher über seine Erlebnisse.

"USA schießen sich selbst ins Bein"
Rogers kritisierte zudem US-Präsident Donald Trump scharf. Die Sanktionen gegen Russland würden dieses in die Arme von China treiben. Diese Bindung lasse sich nur noch schwer lösen, wenn sie sich einmal verfestigt habe. Zudem sei Russland aufgrund der Sanktionen die Einfuhr von Agrargütern verwehrt, die Nation daher auf die Eigenproduktion angewiesen. Wenn die Sanktionen aber einmal fallen, würden die russischen Landwirte nicht einfach die Produktion einstellen, sondern weiterarbeiten. Damit scheide das Land als Abnehmer für US-Agrargüter auf lange Sicht aus – und die USA hätten "sich selbst ins Bein geschossen", so Rogers. (ert)