Als vor wenigen Tagen in New York ein Gemälde von Leonardo da Vinci unter den Hammer kam, blieben auch Fachleute staunend zurück. Mit 450 Millionen Dollar wurde der "Salvator Mundi" überraschend zum teuersten jemals bei einer Auktion verkauften Kunstwerk. Das Bild ist damit doppelt so teuer wie der bisherige Rekordhalter "Les femmes d'Alger" von Pablo Picasso. "Es gibt einfach zu viel Geld auf der Welt. Das ist verrückt. Ich bin fassungslos", zitierte die New York Times den US-Kunsthändler Lawrence Luhring.

Super-Vermögende – sogenannte "Ultra High-Net-Worth Individuals" oder kurz UHNWI –haben mittlerweile weltweit geschätzte 1,62 Billionen US-Dollar in Kunst- und Sammlerstücken investiert, und in den kommenden Jahren ist ein rasanter Zuwachs erwartet:  im Jahr 2021 sollen es 2,5 Billionen Dollar sein, die Prognose für 2026 liegt bei 2,7 Billionen Dollar. Das geht aus dem aktuellen globalen Art & Finance-Report von Deloitte hervor.

Kunstsammler erwarten Angebot
Die Vermögensverwalter passen sich an diesen Wachstumsmarkt an: 64 Prozent der Wealth Manager (67 Prozent der Privatbanken und 55 Prozent der Family Offices) verwalten weltweit Kunst- und Sammlerobjektebiete. 72 Prozent bieten Dienstleistungen rund um Kunst-Philantropie an. Mit einer steigenden Tendenz. Doch ist fraglich, ob sie dabei immer den passenden Zugang finden. Denn während 2015 noch 70 Prozent der Kunstsammler sagten, Kunst solle ein Teil des Wealth-Management-Angebots sein, waren es in der aktuellen Erhebung nur noch 66 Prozent.

"Das ist ein Zeichen, dass Vermögensverwalter einen emotionaleren und gesamtheitlicheren Ansatz einnehmen müssen, wie sie mit den Assets ihrer Klienten arbeiten“, heißt es in der Untersuchung. UHNWI tätigen Investitionen in solche Bereiche schließlich nicht nur mit dem Aspekt der Wertanlage, sondern häufig, weil auch ein Hobby dahinter steht (Autos, Weine, Rennpferde, Malerei,…).

Wertanlage im Fokus
44 Prozent der Vermögensverwalter erwarten, dass sie in den kommenden zwölf Monaten mehr Ressourcen für Kunst einsetzen müssen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2011.

Während es 2016 auf dem Kunstmarkt eine Delle gab, zeigen 2017 die Indikatoren wieder nach oben: Der Gesamtumsatz bei Versteigerungen in den drei großen Häusern Sotheby’s, Christie’s und Phillips lag in der ersten Jahreshälfte 2017 bei 5,7 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 18 Prozent. Der Brexit 2018 könnte sich zwar dämpfend auf den zeitgenössischen Kunstmarkt in Großbritannien auswirken wird. Die Prognosen für Europa sind hingegen positiv. "Über ein Drittel der befragten Experten erwartet in den nächsten zwölf Monaten einen Aufschwung am europäischen Markt für zeitgenössische Kunst", sagt Gernot Schuster, Kunstexperte und Partner in der Steuerberatung bei Deloitte in Wien. (eml)


Über den Art & Finance Report 2017
Der fünfte Art & Finance Report wurde von Deloitte Luxemburg zusammen mit Art Tactic, einem auf den Kunstmarkt spezialisierten Research-Unternehmen aus London, erstellt. Im Zeitraum Mai bis August 2017 wurden rund 150 Kunstberater und Fachleute von Galerien und Auktionshäusern, 70 Privatbanken und 30 Family Offices sowie über 100 Kunstsammler in Europa, den USA, Südamerika, dem Mittleren Osten und Asien befragt. Zudem wurden qualitative Interviews mit 42 Experten aus der Kunst- und Finanzwelt geführt.