Die US-Aktienmärkte haben in den vergangenen zwei Wochen fast zehn Prozent verloren, in Europa waren es rund acht Prozent. Ein Grund zur Panik ist das nicht, sagt Olivier de Berranger, CIO des Fondsanbieters La Financière de L’Echiquier (LFDE). So hat etwa der Aktienindex Stoxx Europe 600 in anderen Phasen schon deutlich stärker nachgegeben: Nach dem Brexit-Votum im Jahr 2016 beispielsweise war er um mehr als zehn Prozent gefallen, im Sommer 2015 stand wegen Sorgen über Chinas Wachstum ein Minus von mehr als 15 Prozent zu Buche.

Die fundamentalen Ursachen für die jüngsten Kursstürze sind bei den Langfrist-Zinsen und der Inflation zu finden. "Der kräftigere Anstieg der langfristigen Zinsen in den USA und anschließend in Europa, ein deutlich höherer Inflationsdruck und die Aussichten auf ein aggressiveres Handeln der Zentralbanken haben die Korrektur ausgelöst", erklärt de Berranger. Verstärkt wurde die Abwärtsbewegung durch Produkte, die auf einen weiteren Rückgang der Marktschwankungen gesetzt hatten.

Kurse könnten weiter fallen
Zinsanhebungen und ein stärkerer Inflationsdruck sollten Anleger eigentlich nicht überraschen, sagt der LFDE-Stratege. "Vergessen wir nicht, dass eine der wesentlichen Fragestellungen des Jahres 2017 die niedrige Inflation betraf sowie die Unfähigkeit der Ökonomen und Zentralbanken, dieses Phänomen zu erklären. Somit finden die langfristigen Zinsen und die Inflation einfach wieder auf Niveaus zurück, die mit dem Voranschreiten der Konjunkturzyklen in verschiedenen Regionen übereinstimmen."

Die Korrektur könnte sich durchaus noch fortsetzen, prophezeit de Berranger. Angesichts ihrer Ursachen wird sie seiner Einschätzung nach aber eine willkommene Verschnaufpause für die Märkte sein – und Anlegern jene Einstiegsgelegenheiten bieten, die sie im vergangenen Jahr vergeblich gesucht hatten. (fp)